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    Strom zur richtigen Zeit nutzen: Warum die Mittagssonne fürs Stromnetz entscheidend ist

    An sonnigen Tagen entsteht besonders viel Solarstrom Millionen Photovoltaikanlagen auf Hausdächern, Gewerbegebäuden und in Solarparks speisen dann gleichzeitig Energie ins Stromnetz ein. Für die Energiewende ist das eine gute Nachricht. Gleichzeitig stellt diese Situation das Stromsystem vor neue Aufgaben. Denn Strom muss immer genau in dem Moment verbraucht werden, in dem er erzeugt wird.

    Je mehr Solarstrom erzeugt wird, desto wichtiger wird deshalb eine Frage: Wann wird Strom eigentlich genutzt? Der Zeitpunkt des Stromverbrauchs kann inzwischen genauso entscheidend sein wie die Menge an Energie, die produziert wird. Besonders in den Stunden mit viel Sonneneinstrahlung spielt das eine wichtige Rolle. Warum das so ist und was das für das Stromnetz bedeutet, hat die hallo nachbar-Redaktion für Sie näher beleuchtet.

    © Adobe Stock / haitaucher39

    Warum produzieren Photovoltaikanlagen mittags besonders viel Strom?

    Solarzellen wandeln Sonnenlicht direkt in elektrische Energie um. Wenn die Sonne hoch am Himmel steht, ist die Einstrahlung am stärksten. Deshalb erreichen Photovoltaikanlagen meist zwischen späten Vormittagsstunden und frühem Nachmittag ihre höchste Leistung.

    In Deutschland wächst der Anteil der Solarenergie seit Jahren deutlich. Millionen Anlagen speisen Strom ins Netz ein. An sonnigen Tagen kann dadurch ein großer Teil des Strombedarfs aus Solarenergie gedeckt werden.

    Diese Entwicklung ist ein wichtiger Baustein der Energiewende. Gleichzeitig bedeutet sie aber auch, dass sehr viel Strom innerhalb weniger Stunden produziert wird. Besonders im Frühjahr und Sommer entstehen rund um die Mittagszeit hohe Einspeisemengen.

    Warum muss Stromerzeugung immer zum Verbrauch passen?

    Das Stromnetz funktioniert wie ein empfindliches Gleichgewichtssystem. Zu jedem Zeitpunkt muss genau so viel Strom verbraucht werden, wie gleichzeitig erzeugt wird. Wenn dieses Gleichgewicht nicht stimmt, kann das Netz instabil werden.

    Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien verändert sich dieses Zusammenspiel zunehmend. Denn Solar- und Windenergie entstehen nicht gleichmäßig über den Tag, sondern abhängig von Wetter und Tageszeit. Besonders Photovoltaikanlagen speisen viel Strom ins Netz ein, wenn die Sonne am stärksten scheint. Gerade rund um die Mittagszeit entsteht deshalb manchmal ein Überangebot an Solarstrom.

    Was passiert, wenn zu viel Strom gleichzeitig ins Netz eingespeist wird?

    Wenn mehr Strom ins Netz eingespeist wird, als gerade gebraucht wird, müssen Netzbetreiber reagieren. Ziel ist es, das Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch aufrechtzuerhalten.
    In solchen Situationen gibt es mehrere Möglichkeiten:

    • Strom wird in andere Regionen transportiert
    • Speicher nehmen überschüssige Energie auf
    • einzelne Anlagen werden zeitweise heruntergeregelt
    • flexible Verbraucher können zusätzliche Energie aufnehmen

    Manchmal zeigt sich dieses Überangebot auch an der Strombörse. Dort können die Preise in bestimmten Stunden stark sinken. In einzelnen Fällen können sie sogar negativ werden. Das bedeutet, dass Stromanbieter Geld zahlen müssen, damit der Strom abgenommen wird.

    Für das Energiesystem ist das ein Zeichen dafür, dass mehr Strom vorhanden ist als gerade benötigt wird.

    Warum wird der Zeitpunkt des Stromverbrauchs immer wichtiger?

    Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien verändert sich die Struktur des Energiesystems. Denn Strom aus Sonne und Wind entsteht nicht gleichmäßig über den Tag, sondern abhängig von Wetter und Tageszeit. Deshalb wird es zunehmend wichtiger, auch den Stromverbrauch flexibel zu gestalten.

    Fachleute sprechen dabei von Flexibilität im Energiesystem. Gemeint ist damit, dass Strom dann genutzt wird, wenn er besonders reichlich vorhanden ist.

    Gerade Solarstrom bietet dafür gute Voraussetzungen. Denn seine Produktion folgt einem relativ klaren Tagesrhythmus und ist darüber hinaus prognostizierbar. Wenn Verbraucherinnen und Verbraucher Strom gezielt in diese Zeiten verlagern, kann das mehrere Vorteile bringen:

    • Das Stromnetz wird entlastet
    • Erneuerbare Energie wird effizienter genutzt
    • Weniger Anlagen müssen heruntergeregelt werden
    • Das Energiesystem arbeitet insgesamt stabiler

    Kurz gesagt: Nicht nur die Erzeugung von Strom verändert sich durch die Energiewende. Auch der Umgang mit Energie wird zunehmend flexibler.

    Wie können Haushalte Solarstrom gezielt zur Mittagszeit nutzen?

    Viele Möglichkeiten zur flexiblen Stromnutzung entstehen direkt im Alltag. Schon kleine Veränderungen können dazu beitragen, Solarstrom besser zu nutzen.
    Einige Beispiele aus dem Haushalt:

    • Waschmaschine oder Spülmaschine tagsüber starten
    • Elektroauto möglichst mittags laden
    • Warmwasserbereitung mit der Wärmepumpe auf sonnige Stunden legen
    • Batteriespeicher gezielt mittags laden lassen

    Besonders Haushalte mit eigener Photovoltaikanlage profitieren davon. Wenn Geräte laufen, während die eigene Anlage Strom produziert, steigt der Eigenverbrauch. Das bedeutet, dass weniger Strom ins Netz eingespeist und gleichzeitig weniger Strom eingekauft werden muss.

    Doch auch ohne eigene Solaranlage kann es sinnvoll sein, Stromnutzung stärker an Zeiten mit viel erneuerbarer Energie anzupassen.

    Welche Rolle spielen digitale Technologien beim Stromverbrauch?

    Damit Stromverbrauch flexibel gesteuert werden kann, spielen digitale Technologien eine wichtige Rolle. Moderne Energiesysteme nutzen zunehmend intelligente Mess- und Steuerungstechnik. Dazu gehören beispielsweise:

    • Smart Meter
    • Energiemanagementsysteme im Haushalt
    • Steuerbare Wallboxen für Elektroautos
    • intelligente Wärmepumpensteuerungen

    Diese Systeme können erkennen, wann viel erneuerbarer Strom im Netz verfügbar ist. Geräte lassen sich dann automatisch in passenden Zeitfenstern betreiben.

    Auch dynamische Stromtarife gewinnen in diesem Zusammenhang an Bedeutung. Dabei verändert sich der Strompreis im Laufe des Tages je nach Angebot und Nachfrage am Strommarkt. Wenn viel Solar- oder Windstrom produziert wird, kann Strom zeitweise günstiger sein.

    Ein Beispiel dafür ist der dynamische Stromtarif von EWE. Hier orientiert sich der Preis am aktuellen Börsenstrompreis. Wer seinen Stromverbrauch flexibel anpasst, kann gezielt Zeiten mit niedrigeren Preisen nutzen.

    Welche Rolle spielt das für die Energiewende?

    Der Ausbau erneuerbarer Energien verändert das Energiesystem grundlegend. Solar- und Windkraft liefern saubere Energie, aber ihre Produktion schwankt im Tagesverlauf. 

    Damit diese Energie möglichst vollständig genutzt werden kann, müssen mehrere Bausteine zusammenwirken:

    • leistungsfähige Stromnetze
    • Energiespeicher
    • flexible Stromverbraucher
    • digitale Steuerungssysteme

    Der gezielte Verbrauch von Strom zur richtigen Zeit wird deshalb immer wichtiger. Wenn viele Haushalte und Unternehmen ihre Energie flexibel nutzen, kann mehr erneuerbarer Strom direkt eingesetzt werden.

    Das hilft nicht nur dem Stromnetz. Es unterstützt auch die Klimaziele, weil weniger Energie aus fossilen Quellen benötigt wird.

    Warum gutes Timing beim Stromverbrauch immer wichtiger wird

    Die Energiewende verändert nicht nur die Art der Stromerzeugung. Sie verändert auch, wie und wann Energie genutzt wird. Besonders in Zeiten mit viel Sonnenstrom steht häufig mehr Energie zur Verfügung als gerade verbraucht wird.

    Wenn dieser Strom direkt genutzt wird, profitieren sowohl das Energiesystem als auch Verbraucherinnen und Verbraucher. Flexible Stromnutzung kann dazu beitragen, das Netz stabil zu halten und erneuerbare Energie effizienter einzusetzen.

    Mit zunehmender Digitalisierung werden Haushalte in Zukunft noch einfacher erkennen können, wann besonders viel erneuerbarer Strom verfügbar ist. Geräte können automatisch zu günstigen Zeiten laufen, ohne dass im Alltag zusätzlicher Aufwand entsteht.

    Die Sonne liefert also einen wichtigen Teil der Energie von morgen. Doch damit sie ihr volles Potenzial entfalten kann, kommt es auch auf das richtige Timing beim Stromverbrauch an.

    Wer zusätzlich darauf achten möchte, dass der eigene Strom aus erneuerbaren Quellen stammt, kann dies auch über die Wahl des Stromtarifs steuern. 

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