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    Wärmepumpe: Welcher Standort ist der beste?

    Bei der Wahl des besten Standorts für eine Wärmepumpe gibt es mehrere Faktoren zu berücksichtigen, um eine effiziente und kostengünstige Nutzung sicherzustellen. hallonachbar.de und EWE-Wärme-Experte Ronald Gerber fassen die wichtigsten Aspekte zusammen und verraten, welche Standorte man auf jeden Fall vermeiden sollte.

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    Ronald Gerber Der Heizungs-Experte
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    Ronald Gerber (61) arbeitet seit 1996 bei EWE und ist Experte rund um das Thema Wärme. Er betreut im Produktmanagement die Wärmedienstleistung EWE ZuhauseWärme und hält den Kontakt zu vielen Herstellern und dem Großhandel, pflegt Kooperationen und legt im Austausch mit anderen Organisationseinheiten bei EWE die Produktstandards fest. Seit Anfang 2022 vertritt er EWE zudem als Mitglied im Bundesverband Wärmepumpe in den Ressorts Politik und Hersteller und hält viele Vorträge rund um die Wärmeversorgung zu Hause.

    Wärmepumpen wandeln die natürliche Wärme, die im Boden, in der Luft oder im Grundwasser steckt, in klimafreundliche Heizenergie um. Luft-Wasser-Wärmepumpen eignen sich gut für städtische Gebiete, während Sole- oder Grundwasserwärmepumpen in ländlichen Gebieten mit entsprechender Infrastruktur effizienter sein können, wo viel Fläche zur Verfügung steht, um notwendige Erdbohrungen vorzunehmen. Hat man sich für die effizienteste Variante entschieden, stellt sich als nächstes die Frage: Welcher Standort ist der beste? 

    Ronald Gerber erklärt: „Die Frage ist relativ einfach zu beantworten: So nah wie möglich am Heizungs- oder Technikraum. In dem Fall gibt es kurze Leitungswege für das Heizungswasser, das in die Heizkörper läuft und erhitzt werden muss und beim Rücklauf in die Wärmepumpe fließt. Je kürzer die Wege, desto geringer sind die Baukosten für Rohrgraben, Strom- und Versorgungsleitungen. Kürzere Rohrleitungen sorgen zudem für weniger Wärmeverluste. Auch wichtig: Weniger Pumpleistung bedeutet auch weniger elektrische Leistung.“

    Standort der Wärmepumpe: Unbedingt Bauvorschriften einhalten

    Der Standort sollte zudem ausreichend Platz bieten und einen einfachen Zugang für Installation, Wartung und Reparaturen ermöglichen. Es ist wichtig, die örtlichen Baugenehmigungen und Vorschriften zu berücksichtigen, die die Installation von Wärmepumpen beeinflussen können. Einige Gemeinden haben spezifische Anforderungen oder Einschränkungen für den Einsatz von Wärmepumpen, insbesondere im Zusammenhang mit ästhetischen Bedenken. „Manchmal gibt es Einschränkungen beim Bau, weil das Grundstück begrenzt ist oder die jeweilige Landesbauordnung es vorschreibt. In diesem Fall sind längere Leitungswege nicht auszuschließen“, sagt Ronald Gerber.

    Es gibt auch das Gerücht, dass eine Wärmepumpe auf der sonnenreichen Südseite besser aufgehoben ist als auf der schattigen Nordseite, wo die Luft gefühlt kühler ist. „Das halte ich für überbewertet“, sagt Ronald Gerber. „Viele glauben, dass die Luft auf der Südseite und von der Wärmepumpe angesaugt wird, deutlich wärmer ist. Für die ersten fünf Sekunden trifft das auch zu, aber eine Wärmepumpe verarbeitet in einer Stunde bis zu 4.000 Kubikmeter Luft. Das heißt, die vermeintlich warme Luft ist im Nu wieder verbraucht. Am Ende ist die Temperatur auf Nord- oder Südseite eigentlich gleich“, sagt Ronald Gerber.

    Welchen Standort für eine Wärmepumpe sollte man lieber vermeiden?

    Eine Wärmepumpe funktioniert, vereinfacht gesagt, wie ein Kühlschrank, nur andersherum. Für Kühlschränke gilt die Faustregel, dass man sie nicht direkt neben einen Herd platzieren sollte, weil die Abwärme die Effizienz des Kühlschranks beeinflusst: Es wird mehr Strom verbraucht, um für eine kühle Innentemperatur zu sorgen. Für Wärmepumpen gilt das gleiche beim Thema Wind. Die Ausblasrichtung sollte nicht gegen die Hauptwindrichtung gestellt werden. Das gilt etwa für Häuser an der Küste, bei denen Wind vom Meer konstant auf die Fassade drückt. Der Ventilator der Wärmepumpe muss gegen den Wind „ankämpfen“, zu Lasten der Effektivität und Effizienz. Der Wind drückt die von der Wärmepumpe bereits verbrauchte Luft wieder zur Wärmepumpe hin, diese bereits "verbrauchte Luft" hat weniger Wärmenergie. Die Phänomen wird auch als "thermischer Kurzschluss bezeichnet, kommt aber nur selten in der Ausprägung vor.

    Bei der Standortwahl für die Wärmepumpe geht es nicht nur um Effizienz, sondern auch um Feingefühl und Nachsicht. Der vermeintlich geeignete Standort ist nicht gut gewählt, wenn der Nachbar etwa fünf Meter weiter sein Schlafzimmer hat. Ronald Gerber erklärt: „Bei Wärmepumpen muss die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm – kurz ,TA Lärm‘ – eingehalten werden. Es gibt Schall-Emissionen, die man nicht überschreiten darf. Es geht darum, dass die schutzbedürftigen Räume der Nachbarschaft nicht beschallt werden dürfen. Jeder Installateur muss deshalb vorab einmal durchrechnen, ob die TA Lärm eingehalten wird.“

    Ein ebenso nur bedingt geeigneter Standort für die Wärmepumpe ist auf der Garage oder auf dem Carport. Dort steht die Wärmepumpe optisch sehr präsent und sorgt via „optischen Schall“ dafür, dass Störgeräusche viel eher wahrgenommen werden, als wenn sie auf der Hausrückwand steht. „Auf dem Carport ist die Wärmepumpe zudem komplett der Witterung ausgesetzt. Hinzu kommt das Problem bei technischen Störungen. Der technische Kundendienst wird nicht erfreut sein, wenn man im Winter drei Meter in die Höhe klettern muss, um eine schneebedeckte Wärmepumpe zu reparieren“, sagt Ronald Gerber.

    Fazit: Verschiedene Faktoren sind für den Standort der Wärmepumpe wichtig

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der beste Standort für eine Wärmepumpe von verschiedenen Faktoren abhängt, darunter Witterungsbedingungen, Verfügbarkeit von Wärmequellen, Platz und Zugang, baurechtliche Vorschriften sowie Energieeffizienz und Kosten. Eine sorgfältige Standortanalyse und Planung sind entscheidend, um die optimale Leistung und Wirtschaftlichkeit der Wärmepumpe sicherzustellen. Wichtig ist in jedem Fall: Die Installation einer Wärmepumpe sollte wohlüberlegt sein, da die Heiztechnik nicht für jede Immobilie geeignet ist. Besonders effizient und kostensparend sind Wärmepumpen zwar in gut gedämmten Häusern, aber grundsätzlich auch nach einer Sanierung im Altbau möglich. Als Faustregel gilt: Je schlechter das Haus isoliert ist, desto höher ist die Vorlauftemperatur für die Wärmepumpe und damit auch der Stromverbrauch.

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