Die wichtigste Frage zuerst: Lohnt sich ein Stromspeicher überhaupt?
Ob sich ein Stromspeicher rechnet, hängt weniger von der Photovoltaikanlage ab als oft angenommen. Entscheidend ist der Stromverbrauch des Haushalts.
„Der wichtigste Faktor ist ganz klar der Stromverbrauch“, erklärt Andy Satzer. „Nicht die Ausrichtung der PV-Anlage, sondern wie viel Strom im Haushalt tatsächlich genutzt wird.“
Ein Speicher entfaltet seinen Nutzen dann, wenn regelmäßig Strom verbraucht wird, der zeitlich gepuffert oder verschoben werden kann. Bei sehr geringem Verbrauch bleibt der wirtschaftliche Effekt dagegen überschaubar.
Wann ein Speicher gut dimensioniert ist
Ein häufiger Fehler liegt in der falschen Größe des Speichers. Zu groß dimensionierte Systeme verursachen hohe Kosten, ohne einen entsprechenden Mehrwert zu liefern.
„Ein Speicher ist gut ausgelegt, wenn die Sonne anfängt zu scheinen und der Speicher fast leer ist“, so EWE-Experte Satzer. So kann der tagsüber erzeugte Solarstrom gezielt aufgenommen und genutzt werden.
Die Kapazität sollte sich deshalb am realen Bedarf orientieren und nicht an theoretischen Maximalwerten.
Warum einfache Faustformeln nicht ausreichen
Viele Haushalte orientieren sich an groben Richtwerten. Diese können eine erste Einordnung liefern, ersetzen aber keine individuelle Betrachtung.
„Als Kundin oder Kunde ist es sehr schwierig, die passende Speichergröße selbst zu ermitteln“, sagt Satzer. Neben dem Jahresverbrauch spielt das Nutzungsverhalten eine wichtige Rolle: Wird Strom eher abends verbraucht oder gleichmäßig über den Tag? Gibt es starke Unterschiede zwischen Woche und Wochenende?
Der Blick nach vorn entscheidet mit
Ein Stromspeicher wird für viele Jahre installiert. Deshalb sollte nicht nur der aktuelle Verbrauch berücksichtigt werden.
„Man muss sich fragen, was in den nächsten Jahren dazukommt“, erklärt Andy Satzer. Wärmepumpe, Wallbox oder Elektroauto verändern den Strombedarf deutlich. Wer heute zu knapp plant, steht später vor teuren Nachrüstungen.
Welche Haushalte besonders profitieren
Aus der Praxis lassen sich dennoch grobe Orientierungen ableiten. Besonders interessant wird ein Stromspeicher ab einem Jahresverbrauch von etwa 2.500 bis 3.000 Kilowattstunden.
„Ab diesem Bereich wird ein Speicher wirtschaftlich relevant“, so Satzer. Noch deutlicher fällt der Nutzen aus, wenn zusätzliche Verbraucher wie ein Elektroauto hinzukommen oder der Verbrauch relativ gleichmäßig über das Jahr verteilt ist.
Wann man besser auf einen Speicher verzichtet
So wichtig die Vorteile sind, so klar ist auch: Ein Stromspeicher ist nicht für jeden Haushalt sinnvoll.
„Ist der Stromverbrauch zu niedrig, dann ist ein Speicher nichts für diesen Haushalt“, sagt Satzer. In solchen Fällen sei es oft sinnvoller, in eine größere Photovoltaikanlage zu investieren und zumindest von der Einspeisevergütung zu profitieren.
Geht ein Stromspeicher auch ohne Photovoltaik?
Ein Punkt, der häufig überrascht: Stromspeicher lassen sich auch ohne eigene PV-Anlage betreiben, etwa in Kombination mit einem intelligenten Energiemanagement und dynamischen Stromtarifen.
„Solche Modelle sind grundsätzlich möglich“, erklärt Satzer. Aber auch hier gilt: Ohne ausreichenden Stromverbrauch rechnet sich das Konzept nicht.
Wie lange dauert die Amortisation?
Rein technisch beginnt der Nutzen eines Speichers sofort. Wirtschaftlich betrachtet liegen die Amortisationszeiten jedoch im mittleren Bereich.
„Bei einem typischen Einfamilienhaus mit rund 4.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch liegen wir meist bei acht bis zwölf Jahren“, so Andy Satzer. Unterschiede ergeben sich vor allem durch Investitionskosten und individuelle Lastprofile.
Worauf Haushalte bei der Planung achten sollten
Neben der passenden Größe sind zwei Faktoren entscheidend: Technik und Umsetzung.
„Die Kommunikationsschnittstellen müssen passen“, betont Fachmann Satzer. Speicher, Energiemanagement und weitere Komponenten müssen zuverlässig miteinander arbeiten.
Ebenso wichtig ist die Wahl des Installationsbetriebs und der Komponenten. Ein Stromspeicher ist eine Investition für 20 Jahre und mehr, entsprechend wichtig ist langfristige Verlässlichkeit.
Einordnung: Speicher sind sinnvoll – wenn sie passen
Stromspeicher bieten großes Potenzial, wenn sie zum Haushalt passen. Sie sind jedoch kein Standardprodukt für jede Situation.
„Niemand sollte die Katze im Sack kaufen“, sagt Satzer. Eine fachkundige Beratung hilft, realistisch einzuschätzen, ob sich ein Speicher lohnt und welche Größe sinnvoll ist.
Wie sich Stromspeicher im Zusammenspiel mit Photovoltaikanlagen und dynamischen Stromtarifen nutzen lassen und welche technischen Voraussetzungen dafür nötig sind, erklärt ein weiterer Beitrag auf hallonachbar.de.
Ein Stromspeicher kann sich lohnen, wenn mehrere dieser Punkte zutreffen:
- Jahresstromverbrauch ab etwa 2.500 bis 3.000 kWh
- Regelmäßiger Stromverbrauch über den Tag verteilt
- Bereits vorhandene oder geplante PV-Anlage
- Zukünftige Verbraucher wie Wärmepumpe oder Elektroauto
- Bereitschaft, langfristig zu planen, statt kurzfristig zu sparen