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    Statista-Umfrage: So steht Niedersachsen zur Verkehrswende

    Viele Menschen in Niedersachsen halten Klimaschutz weiterhin für wichtig. Das zeigt eine repräsentative Statista-Umfrage im Auftrag von EWE. Zugleich wird deutlich: 72 Prozent der Befragten sehen beim bisherigen Fortschritt noch Aufholbedarf, auch mit Blick auf die Verkehrswende. Besonders spannend ist der Unterschied zwischen Wahrnehmung und eigener Erfahrung. Wer bereits elektrisch fährt, bewertet Ladeinfrastruktur und Alltagstauglichkeit deutlich positiver als Menschen ohne eigenes E-Auto. Warum das so ist, erklärt Ilker Akkaya, Geschäftsführer von EWE Go, im Gespräch mit der hallo nachbar-Redaktion.

    © Adobe Stock / Viktoriia
    Ilker Akkaya Der Geschäftsführer von EWE Go
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    Ilker Akkaya ist Geschäftsführer von EWE Go und verantwortet dort den Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur als wichtiges Wachstumsfeld. Seit rund 17 Jahren ist er im EWE-Konzern tätig, seit etwa viereinhalb Jahren mit Schwerpunkt Mobilität. Geboren und aufgewachsen ist Akkaya im Ruhrgebiet, heute lebt er mit seiner Familie in Oldenburg. Privat begeistert er sich für Autos und Fußball. Seine Verbundenheit zum Ruhrgebiet zeigt sich bis heute in seiner Sympathie für Borussia Dortmund, in seiner Wahlheimat drückt er aber auch Werder Bremen die Daumen.

    Warum wird das Ladenetz oft kritischer gesehen, als es ist?

    Ein zentrales Ergebnis der Umfrage lautet: Wer noch kein E-Auto fährt, nimmt die Ladeinfrastruktur deutlich skeptischer wahr. 43 Prozent der Nicht-Nutzenden in Niedersachsen bewerten sie als schlecht. Bei den Menschen, die bereits elektrisch unterwegs sind, ergibt sich ein anderes Bild. 45 Prozent der E-Autofahrerinnen und -fahrer bewerten die Infrastruktur als gut, nur 26 Prozent als schlecht. Noch deutlicher wird der Unterschied bei der Alltagstauglichkeit: 74 Prozent der Nutzenden sagen, dass sich diese spürbar verbessert hat. 

    Für Ilker Akkaya liegt die Ursache dieser Lücke vor allem in der öffentlichen Wahrnehmung. Elektromobilität werde in Deutschland noch immer stark über Unsicherheit, Reichweite und Ladefragen diskutiert. Dabei habe sich die Praxis längst weiterentwickelt. „Das Bild, dass man nicht genügend Ladeinfrastruktur hat und unterwegs liegen bleibt, stimmt so nicht mehr“, sagt Akkaya. „Wir haben heute eine sehr gute Ladeinfrastruktur. Es braucht aber die eigene Erfahrung, um das wirklich zu merken.“ 

    Wer weiterhin Verbrenner fährt, kennt das Laden eines E-Autos oft nur aus Erzählungen, Schlagzeilen oder einzelnen negativen Beispielen. Wer selbst elektrisch unterwegs ist, erlebt dagegen schnell: Laden folgt einer anderen Logik als Tanken und lässt sich häufig gut in den Alltag integrieren.

    Ilker Akkaya

    Das Bild, dass man nicht genügend Ladeinfrastruktur hat und unterwegs liegen bleibt, stimmt so nicht mehr. Wir haben heute eine sehr gute Ladeinfrastruktur. Es braucht aber die eigene Erfahrung, um das wirklich zu merken. Ilker Akkaya, Geschäftsführer von EWE Go

    Was hat sich bei der Elektromobilität konkret verbessert?

    In den vergangenen Jahren sind öffentliche Ladepunkte, Ladegeschwindigkeiten und Fahrzeugreichweiten stark gewachsen. Für Akkaya ist genau diese Kombination entscheidend: „Die Ladeinfrastruktur ist schneller gewachsen als der E-Auto-Hochlauf“, sagt Ilker Akkaya.

    Auch längere Routen lassen sich heute besser planen. Ladepausen fallen häufig mit ohnehin geplanten Stopps zusammen: beim Einkaufen, Essen oder auf Reisen.

    Akkaya rechnet damit, dass sich dieser Komfort in den kommenden Jahren weiter erhöht. „Wir werden bei geeigneten Fahrzeugen und Schnellladepunkten Ladezeiten zwischen 10 und 20 Minuten sehen. Damit wird Elektromobilität vollständig alltagstauglich“, sagt er.

    Welche Rolle spielt Elektromobilität für den Klimaschutz?

    Die Statista-Umfrage zeigt, dass viele Menschen die Verkehrswende als wichtigen Hebel für Klimaschutz sehen. 59 Prozent der Befragten in Niedersachsen nennen sie als zentralen Baustein. Bei den 26- bis 35-Jährigen liegt der Anteil sogar bei 65 Prozent. Auch für Ilker Akkaya ist klar: Ohne Elektromobilität wird es schwierig, die Klimaziele im Verkehrssektor zu erreichen. „Der Verkehr gehört zu den Sektoren mit den größten Treibhausgasemissionen. Elektromobilität ist hier ein wesentlicher Hebel“, sagt er. Für ihn ist deshalb entscheidend, dass Elektromobilität weiter ausgebaut und für mehr Menschen zugänglich wird – über bezahlbare Fahrzeuge, verlässliche Ladeangebote und Strom aus erneuerbaren Energien. 

    Eine weiterführende Einordnung der Statista-Umfrage zu Klimaschutz und Energiewende gibt EWE-Nachhaltigkeitsmanagerin Rieke Oetken im Gespräch mit der hallo nachbar-Redaktion. 

    Wie baut EWE Go das Ladenetz weiter aus?

    EWE Go gehört zu den großen Anbietern öffentlicher Ladeinfrastruktur in Deutschland. Der Fokus liegt dabei besonders auf Schnellladeinfrastruktur, also DC-Ladepunkten, an denen E-Autos deutlich schneller laden können als an klassischen AC-Ladepunkten. Insgesamt stellt EWE Go deutschlandweit über 3.000 Ladepunkte an über 1.200 Standorten.  

    Und der Ausbau geht weiter. Künftig sollen größere Ladeparks entstehen, insbesondere entlang wichtiger Verkehrsachsen. Ein wichtiger Baustein ist das Deutschlandnetz, das EWE Go gemeinsam mit HOCHTIEF in den Regionen Nordwest und West umsetzt.   

    Strategisch setzt EWE Go dabei auf Standorte, an denen Menschen ohnehin halten – etwa beim Einkaufen, Essen oder auf längeren Fahrten. So soll Laden nicht als zusätzlicher Aufwand empfunden werden, sondern Teil bestehender Alltagswege werden. 

    Welche Hürden gibt es beim Ausbau der Ladeinfrastruktur?

    Auch wenn das Ladenetz wächst, bleibt der Ausbau anspruchsvoll. Eine zentrale Herausforderung ist die Suche nach geeigneten Flächen, vor allem für größere Ladeparks. Hinzu kommen unterschiedliche Genehmigungsanforderungen in den Kommunen. Das kann Prozesse verlängern und Projekte verzögern. 

    Ein weiterer Punkt ist der Netzanschluss. Ladeinfrastruktur braucht Strom, und sie entsteht in einer Zeit, in der auch andere Bereiche der Energiewende zusätzliche Netzkapazitäten benötigen. Wärmepumpen, Speicher, Photovoltaikanlagen und neue industrielle Anwendungen stellen ebenfalls Anforderungen an die Stromnetze. Akkaya sieht darin eine wachsende Herausforderung, bleibt aber zuversichtlich: Durch die Zusammenarbeit mit Netzbetreibern ließen sich Lösungen finden, auch wenn es manchmal länger dauere. 

    Ladeinfrastruktur ist deshalb mehr als das Aufstellen von Ladesäulen. Sie braucht geeignete Flächen, Genehmigungen, Netzanschlüsse, Investitionen - und eine enge Abstimmung zwischen Kommunen, Netzbetreibern und Ladeinfrastruktur-Anbietern.

    Was braucht es, damit mehr Menschen auf E-Autos umsteigen?

    Für Ilker Akkaya sind drei Punkte besonders wichtig: „Das öffentliche Ladenetz muss weiterwachsen, es braucht eine größere Vielfalt an Fahrzeugmodellen und die Preise müssen für mehr Menschen attraktiver werden.“ Gerade der Kaufpreis spielt auch in der Statista-Umfrage eine wichtige Rolle. 38 Prozent der Befragten in Niedersachsen nennen ihn als größten Motivator für den Umstieg auf Elektromobilität. 

    Akkaya sieht bei den Fahrzeugen bereits Bewegung. Neue Modelle kommen auf den Markt, Reichweiten steigen, Ladezeiten sinken und das Angebot wird breiter. Entscheidend sei aber, dass Elektromobilität für verschiedene Lebenssituationen passt. Familien brauchen andere Fahrzeuglösungen als Singles. Wer täglich pendelt, hat wiederum andere Anforderungen als Menschen, die vor allem kurze Strecken im Alltag fahren. „Wir brauchen Modelle für unterschiedliche Lebenssituationen und Preise, die wettbewerbsfähiger werden“, sagt Akkaya. 

    Auch die Lademöglichkeiten zu Hause können den Umstieg erleichtern. Wer sein E-Auto zu Hause laden kann, zum Beispiel über Nacht oder während längerer Standzeiten, bleibt im Alltag flexibler. 

    Vertrauen entsteht außerdem durch persönliche Erfahrungen. Wenn Menschen im eigenen Umfeld erleben, dass elektrisches Fahren funktioniert, kann das Vorbehalte schneller abbauen als abstrakte Informationen.“ 
     

    Wie könnte Elektromobilität in fünf Jahren aussehen?

    Ilker Akkaya blickt optimistisch auf die kommenden Jahre. Technische Fortschritte bei Fahrzeugen, Ladegeschwindigkeit und öffentlicher Infrastruktur werden aus seiner Sicht dafür sorgen, dass Elektromobilität selbstverständlicher wird. „In fünf Jahren werden viele Fragen rund um Ladeinfrastruktur und Reichweite kaum noch eine Rolle spielen.“  

    Die Statista-Umfrage zeigt: Klimaschutz bleibt vielen Menschen wichtig, zugleich wünschen sie sich sichtbare Fortschritte. Elektromobilität kann dafür ein konkreter Baustein sein – besonders dann, wenn mehr Menschen eigene positive Erfahrungen machen. 

     

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