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    "Optimismus muss man sich erarbeiten"

    Er ist Autor, Produzent und Gastgeber der NDR Talkshow. Mit seinem aktuellen Buch „Die Sonne scheint immer. Für die Wolken kann ich nichts.“ blickt Hubertus Meyer-Burckhardt auf das Leben und auf eine Frau zurück, die ihn besonders geprägt hat: seine Großmutter. Im Gespräch spricht er über Gelassenheit, Dankbarkeit, harte Schreibarbeit und darüber, warum Optimismus kein Geschenk ist.

    © Sebastian Fuchs

    Herr Meyer-Burckhardt, Sie stehen seit vielen Jahren im Licht der Öffentlichkeit. Wann scheint für Sie persönlich die Sonne?

    Wenn ich am Mittelmeer sitze, vor einem gegrillten Fisch und einem Glas Weißwein.

    Der Titel Ihres Buches klingt nach Gelassenheit und Haltung. Ist das eine Lebensphilosophie, die Sie schon immer begleitet hat?

    Nein, sie ist erarbeitet. Optimismus und Gelassenheit muss man sich erarbeiten, das wird einem nicht geschenkt. Und selbst wenn man es geschafft hat, bleibt es nicht für immer. Man muss es sich immer wieder neu erarbeiten.

    Ihre Großmutter spielt in Ihrem Buch eine zentrale Rolle. Was war das Besondere an ihr?

    Drei Dinge. Erstens hat sie sich nicht darum gekümmert, was andere über sie denken. Zweitens hat sie Selbstmitleid verabscheut. Sie sagte immer: Wenn es dir irgendwo nicht gefällt, dann geh weiter. Du bist kein Baum. Und drittens hatte sie die Fähigkeit, andere ernst, sich aber nicht wichtig zu nehmen.

    Warum erzählen Sie diese Geschichte gerade jetzt?

    Weil eine Frau, die das Leben feiert und sich selbst als Hohepriesterin der Unvernunft verstand, uns heute guttäte. Sie würde für das Salz in der Suppe sorgen. Ich wollte sie noch einmal zum Leben erwecken – bevor ich selbst eines Tages abtrete.

    War das Schreiben für Sie eher literarische Arbeit oder eine persönliche Reise?

    Das schließt sich nicht aus. Schreiben ist zunächst harte Arbeit. Natürlich ist es auch eine Reise zurück. Ob daraus Literatur geworden ist, müssen die Leserinnen und Leser beurteilen. Ich sehe mich nicht als Literat, sondern als Autor.

    Sie sind mit dem Buch bei EWE auf Lesereise. Was bedeutet Ihnen der Austausch mit dem Publikum?

    Ich habe bereits 30 oder 40 Lesungen hinter mir. Jedes Publikum ist anders, jede Veranstaltung eine neue Erfahrung. Ich betrachte es nicht als selbstverständlich, dass die Säle voll sind. Dafür empfinde ich große Dankbarkeit. Und nach Hessen komme ich besonders gern, weil ich dort die ersten 19 Jahre meines Lebens verbracht habe. Das fühlt sich ein bisschen nach Hause an.

    Viele kennen Sie als Gastgeber der NDR Talkshow. Wie unterscheidet sich das Schreiben von Ihrer Arbeit vor der Kamera?

    Eigentlich ist der Weg über den Film entscheidender. Ich habe rund 30 Spielfilme produziert, meinen letzten vor sechs Jahren. Während dieser Zeit habe ich immer die Drehbuchautorinnen und -autoren beneidet – nie die Schauspieler oder Regisseure. Vor etwa zehn Jahren habe ich begonnen zu schreiben, und einige Bestseller sind daraus entstanden. Das Moderieren hat mit dem Schreiben dagegen wenig zu tun.

    Woran arbeiten Sie aktuell?

    Im Herbst erscheint mein nächstes Buch, voraussichtlich im September oder Oktober. Ich habe mein ganzes Leben lang Zitate gesammelt, die ich klug oder inspirierend fand. Dieses Zitatebuch veröffentliche ich nun – ergänzt um meine Kommentare und meine heutige Sicht darauf.

    Zum Schluss eine persönliche Frage: Was wünschen Sie sich für die kommenden Jahre – beruflich und privat?

    Für Deutschland wünsche ich mir mehr Dankbarkeit dafür, in einem friedlichen Europa zu leben. Ich finde, uns fehlt manchmal ein wenig diese Dankbarkeit. Für mich persönlich wünsche ich mir Gesundheit. Und dass ich weiterhin von Menschen umgeben bin, die vor allem Humor haben.

    Hubertus Meyer-Burckhardt arbeitet als Autor und Produzent und ist Gastgeber der NDR Talkshow. Nach vielen Jahren in der Filmbranche mit zahlreichen erfolgreichen Spielfilmproduktionen etablierte er sich auch als Schriftsteller. Mehrere seiner Bücher wurden Bestseller. Er lebt in Hamburg und ist regelmäßig mit Lesungen im deutschsprachigen Raum unterwegs.

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