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    Wasserstoff: Energie der Zukunft

    Kohle geht, H2 kommt: hallonachbar.de erklärt, warum grüner Wasserstoff für eine nachhaltige Zukunft steht und in welchen Bereichen er bereits zum Einsatz kommt.

    © GettyImages

    Der Schriftsteller Jules Verne, wie könnte es anders sein, war seiner Zeit mal wieder weit voraus. Man schrieb das Jahr 1874, das Kohlezeitalter stand in voller Blüte, als der berühmte Autor von „20.000 Meilen unter dem Meer“ das eigentlich Unglaubliche prophezeite – den Niedergang der Kohlewirtschaft: „Das Wasser ist die Kohle der Zukunft“, schrieb der Franzose damals. Das Werk, in dem dieser bemerkenswerte Satz steht, trägt den Titel „Die geheimnisvolle Insel“.

    Knapp 150 Jahre später braucht man weitaus weniger Fantasie und Erfindungsreichtum, um sich eine Welt auszumalen, wie es Jules Verne tat. Es reicht ein Blick auf die politischen Fakten: Bundestag und Bundesrat haben den schrittweisen Kohleausstieg in Deutschland bis spätestens 2038 beschlossen und damit eine Deadline für fossile Brennstoffe festgelegt. Weil Kohle aber nicht ersatzlos gestrichen werden kann, braucht es Alternativen, die nachhaltig und umweltverträglich sind – Auftritt Wasserstoff.

    Wasserstoff: Deutschland will die Nummer 1 werden

    Die rot-schwarze Bundesregierung hat im Juni ihre „Nationale Wasserstoffstrategie“ (NWS) ausgerufen. Trotz unsicherer Corona-Zeiten will sie mit Investitionen von neun Milliarden Euro die Technologie aus der Nische holen, damit es mit dem Klimaschutz vorangeht. Und nicht nur das: Man will sogar Weltmarktführer im Bereich der Wasserstofftechnologie werden. Das Thema findet jedoch nicht nur in Deutschland statt. Im Rahmen des „Green Deals“ will die EU sogar 750 Milliarden Euro insgesamt investieren – und das nicht, weil man Geld verschenken will, sondern, weil der Schaden durch den Klimawandel deutlich teurer werden könnte, wenn nicht gehandelt wird. Die Niederlande, Südkorea und Japan gelten unter Experten aktuell als Vorreiter, wenn man den internationalen Vergleich bemüht.

    Grüne Botschaften für eine Zukunft der Nachhaltigkeit

    Mann betrankt Wasserstoffauto

    Die Gründe für Wasserstoff sind vielfältig: Reaktorkatastrophe von Fukushima, Global Warming, „Fridays for Future“, der anhaltende Boom von Nachhaltigkeit – das Bewusstsein für ein neues, umweltbewusstes und klima­freund­liches Handeln setzt sich aus vielen Bausteinen zusammen. Der gemeinsame Tenor hat mittlerweile viele Ecken der Gesellschaft erreicht: Lasst uns geschlossen eine Lösung für die Klimakrise finden. Einer von den „Botschaftern“, die an vorderster Front informieren, diskutieren und Aufklärungsarbeit leisten, ist Paul Schneider. Gemeinsam mit seinem Team ist der EWE-Ingenieur vor allem auf politischer Ebene unterwegs: „Wasserstoff ist ein Energieträger, der einfach herstellbar sowie komplett nachhaltig und emissionsfrei ist, wenn er aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Wir bei EWE wollen den Klimaschutz vorantreiben. Und das klappt mit Wasserstoff gut, denn die Grundlagen dafür sind quasi unendlich verfügbar. Er ist überall einsetzbar und nachhaltig, wenn Wasser mit Strom aus erneuerbaren Energien geteilt wird. Gleichzeitig liegt es in meinem persönlichen Interesse, unseren Kindern eine lebenswerte Welt zu hinterlassen“, sagt der 40-Jährige mit Blick in die Zukunft, der mit Frau und Kindern in Oldenburg lebt und auch beim YouTube-Kanal der EWE Smartgeber zu sehen ist.

    Wasserstoff: Der Evergreen wird neu gedacht

    Wasserstoff ist zum einen die große Hoffnung der Energiebranche, zum anderen kein wirklich neuer Hut. In Hamburg fahren seit zehn Jahren klimaschonende Wasserstoffbusse im ÖPNV. „Es gab schon mehrere Wellen, bei denen versucht wurde, Wasserstoff nach vorne zu bringen“, sagt EWE-Vorstand Stefan Dohler. „Der Unterschied zu früher ist, dass es mittlerweile eine Erkenntnis in der breiten Bevölkerung gibt, dass unsere Generation jetzt konsequent handeln muss. Wir merken, dass wir unsere Klimaziele nicht erreichen werden, wenn wir nur auf Strom schauen. Deshalb lässt sich auch die Bereitschaft für Wasserstoff und damit auch die Energiewende beschleunigen.“

    Grüner Wasserstoff als Lösung

    Wasserstoff ist nicht in natürlicher Form in der Natur vorhanden, sondern muss erst hergestellt werden. Die drei wesentlichen Verfahren sind die Elektrolyse, die Dampfreformierung sowie die Pyrolyse, für die man unterschiedliche Zutaten nehmen kann. Etabliert in der Industrie ist die sogenannte Erdgasdampfreformierung. Dabei wird Erdgas (Methan) mit Wasserdampf und Wärme gespalten – und es bleibt grauer Wasserstoff übrig. Dieser ist nicht wirklich grau, wird aber so genannt, weil bei dem Vorgang pro Tonne H2 etwa zehn Tonnen CO2 entstehen. Alleine in Deutschland gelangen so jährlich 20 Millionen Tonnen Treibhausgase in die Atmosphäre. Auch andere Wasserstofffarben sind möglich.

    Der Weg in die Zukunft soll primär über den klimaschonenden grünen Wasserstoff führen. Aber der kann nur in Deutschland erzeugt werden, wenn weiterhin genügend erneuerbare Energien produziert werden. Die Basis dafür ist da: die sehr gut ausgebaute Gasleitungs- und Kavernenspeicherinfrastruktur im windreichen Norden, die grundsätzlich auch für Wasserstoff geeignet ist. Es bedarf neben dem konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien und dem Ausbau der Wasserstoff­Tankstelleninfrastruktur nur noch weiterer Marktanreize, damit die grüne Wasserstoff-Fantasie zur Realität wird. Aber das hat Jules Verne bestimmt auch schon gewusst.

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