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    "Kinder haben ein riesiges Interesse an Umweltthemen"

    Kein leichter Stoff für ein Kinderbuch. In „Durdu und das Plastikmeer“ verfolgt eine Taube eine Plastiktüte, und gerät dabei ungeplant auf eine Reise, die ihr zeigt, wie Plastikmüll weltweit Strände und Meere vermüllt. Im Interview mit hallonachbar.de erzählt eine der beiden Autorinnen, Amelie Hartung, wie das Buch entstand – und was es bei Kindern auslöst.

    © Hansjörg Hartung
    Eliza Girod und Amelie Hartung Die Autorinnen
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    Amelie Hartung (r.) arbeitet in Berlin als Kulturmanagerin und Yogalehrerin, ihre Co-Autorin Eliza Girod arbeitet an einem Theater in Zürich. Viele Reisen und Auslandsaufenthalte führten beiden das weltweite Müllproblem immer wieder vor Augen. Seitdem lässt sie die Frage nicht mehr los, wie wir es schaffen, unsere Erde für kommende Generationen zu erhalten.

    Vermüllte Meere und Strände sind kein schönes Thema. Wie setzt man das für Kinder richtig um?

    Ein Aspekt ist das Erzählerische. Wir fanden es wichtig, eine charakteristische Figur, in unserem Fall die Taube Durdu, in das Zentrum der Geschichte zu stellen. Durdu und die Kinder erleben gemeinsam eine Abenteuerreise und lernen dabei sehr viel. Außerdem muss man eine Balance finden: Es ist wichtig, dass man mit Kindern darüber spricht, aber man darf ihnen keine Angst machen. Der erste Cover-Entwurf von meiner Co-Autorin Eliza Girod und mir beispielsweise war in düsteren Farben gehalten und zeigte unter anderem eine Schildkröte, die sich in einem Netz verfangen hatte. Davon hat der Verlag uns abgeraten. Über diese großen Themen zu sprechen, ohne Kinder zu überfordern, ist wichtig.

    Es war ja auch Ihr erstes Buch, eigentlich arbeiten Sie und ihre Co-Autorin als Kulturmanagerinnen. Wie wurden Sie Buchautorinnen?

    Letztlich durch meine Mutter. Sie ist Grundschullehrerin, und wollte mit den Kindern über Plastikverschmutzung sprechen, aber fand kein geeignetes Lehrmaterial. Darüber unterhielt ich mich mit meiner Freundin Eliza Girod, und wir fanden viele Anknüpfungspunkte: Wir tauschen uns viel über Politik und Umwelt aus, sind bei vielen Reisen immer wieder über das Thema Müll gestolpert, und als Kulturwissenschaftlerinnen haben wir Freude am Schreiben und an Geschichten.

    Also beschlossen Sie: Dann schreiben wir das Buch eben selbst.

    Nicht direkt. Anfangs hatten wir nicht geplant, es bei einem Verlag rauszubringen, wir dachten realistischer sei ein PDF, das wir Lehrkräften zur Verfügung stellen können. Aber dann begann die Pandemie, und wir konnten nur wenig im Kulturbetrieb arbeiten. Also nutzten wir die Zeit, um unser Manuskript zu überarbeiten und es an Verlage zu schicken. Der Oekom-Verlag sagte zu – unter der Voraussetzung, dass eine Crowdfunding-Kampagne sicherstellte, dass wir eine bestimmte Menge an Exemplaren verkaufen würden. Das hat funktioniert.

    Für ein Bilderbuch braucht es dann noch jemand, der die Bilder zeichnet…

    Das hat mein Vater übernommen. Er sagte einfach: „Ich mache das“. Eigentlich ist er Bühnenbildner und Ausstattungsarchitekt. Ich wusste zwar, dass er gut zeichnen kann, aber mir war nicht klar, wie gut er ist. Dann kam noch meine Schwester, die Grafikdesignerin ist, dazu und unser Team war komplett.

    Lief denn alles so glatt?

    Die Recherche war aufwändiger als gedacht. Weil es sehr schwer ist, präzise Zahlen zu bekommen. Etwa dazu, wie lange es dauert, bis sich eine Plastikflasche oder ein Tetrapak vollständig zersetzt haben. Insgesamt hat das Projekt darum gut drei Jahre gebraucht.

    Hat sich der Aufwand denn gelohnt?

    Auf jeden Fall! Wir haben gemerkt, was für ein großes Interesse bei Kindern zu Umweltthemen vorhanden ist. Viele Kinder sind tief beeindruckt von den Ausmaßen. Etwa von der Größe der Müllteppiche auf den Meeren. Oder eben von den Jahren, die es braucht, bis bestimmte Produkte abgebaut werden. Dann heißt es manchmal: „Das ist ja fünfmal so alt wie mein Vater.“ So wird den Kindern klar, dass alles, was sie tun, Auswirkungen hat. Wir geben inzwischen auch Workshops zu der Frage, wie das Thema Nachhaltigkeit kindgerecht vermittelt werden kann und stoßen auch da auf großes Interesse.

    Und das war Ihr Ziel beim Schreiben – Bewusstsein zu schaffen?

    Auch. Aber wir wollen noch weitergehen. Wir wollen zeigen, dass man selbst etwas verändern kann - auch mit kleinen Schritten. Indem man sich fragt: „Wie ist mein Pausenbrot verpackt?“, „Aus welchem Material besteht dieses Spielzeug?“ „Können wir das nicht auch zusammen benutzen?“

    Haben Sie für sich selbst auch Konsequenzen gezogen?

    Wir haben unseren eigenen Konsum sehr in Frage gestellt. Zwischenzeitlich habe ich versucht, komplett auf Plastik zu verzichten. Das habe ich zugegebenermaßen nicht durchgehalten. Aber ich versuche herauszufinden, wie viel CO2 für die Herstellung von Supermarktverpackungen aufgewendet wurde, und wähle im Zweifel ein anderes Produkt. Uns ist bewusst, dass all diese Entscheidungen Zeit und Geld kosten und dass es ein großes Privileg ist, sich damit auseinanderzusetzen. Man kann aber auch gut Zeit und Geld sparen. Es gibt beispielsweise sehr einfache Rezepte, um Putzmittel selbst herzustellen. Dass man damit nicht die Welt retten wird, ist uns klar. Dazu braucht es einen systemischen Wandel, der viel mehr bewirken muss als ein umweltbewusstes individuelles Verhalten. Um diesen Systemwandel jedoch überhaupt erst in die Wege zu leiten, ist Aufklärungsarbeit bei Groß und Klein sehr wichtig.

     

    Für die Reihe „EWE Stiftung unterwegs“ tourt Amelie Hartung im November durch Bildungseinrichtungen in Bremervörde, Leer, Cuxhaven, Oldenburg, Nordenham und Storkow (Brandenburg). Dort liest sie vor Schulklassen aus ihrem aktuellen Buch „Durdu und das Plastikmeer“.

    Mitmachen und gewinnen!

    Wir verlosen drei Exemplare des Kinderbuchs „Durdu und das Plastikmeer“ von Amelie Hartung und Eliza Girod. Um an der Verlosung teilzunehmen, schickt einfach eine E-Mail mit dem Betreff „Durdu“ an hallonachbar@ewe.de. Einsendeschluss ist der 15. Dezember 2023.

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