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    "Wärmepumpen sind für die Mehrheit die beste Lösung"

    Die Diskussionen um das neue Heizungsgesetz haben viele Verbraucherinnen und Verbraucher verunsichert. Im Interview erklärt EWE-Marktvorstand Dr. Christian Friege, warum Wärmepumpen so wichtig für die Wärmewende sind – und warum er sicher ist, dass sich die Technik durchsetzen wird.

    © Mohssen Assanimoghaddam

    Warum ist bei der Energiewende das Thema „Wärme“ so wichtig?

    Dr. Christian Friege: Rund 40 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland entfallen aktuell auf den Wärmebedarf in Gebäuden – die Dekarbonisierung dieses Sektors muss daher mit aller Kraft angegangen werden, um die gesteckten Klimaschutzziele erreichen zu können.

    Ab 1. Januar 2024 tritt das Gebäudeenergiegesetz in Kraft. Um die Eckpunkte wurde im Bundestag viele Monate lang gerungen. Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?

    Der Bundestagsbeschluss zum Gebäudeenergiegesetz und das damit verbundene Signal, dass die Wärmewende auf den Weg gebracht wird, ist zu begrüßen und ein wichtiger Schritt. Vorausgegangen ist allerdings eine politische Debatte, die in Teilen erkennbar nicht an der Sache, sondern vorrangig am politischen Kalkül orientiert war und die Notwendigkeit einer konsequenten Umstellung des Wärmesektors auf erneuerbare Energien aus dem Blick verloren hat.

    Wie macht sich das bemerkbar?

    Die Verunsicherung von Verbraucherinnen und Verbrauchern wurde dabei in Kauf genommen – konkret ablesbar ist sie unter anderem an der mittlerweile wieder spürbar abgesunkenen Nachfrage nach Wärmepumpen.

    Also gibt es aus Ihrer Sicht weiteren Handlungsbedarf?

    Auf jeden Fall. EWE rechnet damit, dass in Kürze eine weitere Novelle des GEG auf den Weg gebracht werden muss, um zu klareren Regelungen zurückzufinden.

    Auch wenn die Nachfrage nach Wärmepumpen gesunken ist – warum halten Sie an der Technik fest?

    Die verhaltene Nachfrage war in meinen Augen nur eine Momentaufnahme. Viele Menschen fühlten sich durch die Debatten um das GEG schlicht verunsichert. Es zeichnet sich aber ab, dass für die große Mehrheit der Kunden Wärmepumpen oder eine leitungsgebundene Wärmeversorgung, also Nah- und Fernwärmelösungen, die beste Möglichkeit sein werden – sie sind den Alternativen in Sachen Energieeffizienz und Vollkosten in den meisten Fällen überlegen. Grüner Wasserstoff und Biomethan werden in der flächendeckenden Wärmeversorgung beim Endkunden hingegen absehbar keine tragende Rolle spielen. Ihre Stärken werden bei der Dekarbonisierung von industriellen Prozessen, die nicht elektrifiziert werden können, Teilen des Schwerlastverkehrs oder auch für die Rückverstromung im Fall von Dunkelflauten gebraucht. Ob lokale Gegebenheiten in einigen Fällen gegebenenfalls auch einen Einsatz bei Wärmeanwendungen in privaten Wohngebäuden sinnvoll werden lassen, wird im Zuge der kommunalen Wärmeplanung geprüft.

    Was ist für EWE und für die Kunden bei der Wärmeversorgung aktuell und in Zukunft wichtig?

    Zusammengefasst sind diese Punkte essenziell: Wir bieten in Neubaugebieten keine Erdgasanschlüsse mehr an und beraten die Menschen stattdessen vorrangig zu Wärmepumpen, Photovoltaik und Hausspeichern. Hinzu kommen lokale Quartierslösungen, bei denen sich Hausbesitzer an eine grüne Wärmeversorgung über Wärmenetze anschließen können. Außerdem unterstützt EWE die kommunale Wärmeplanung. Die aktuellen Regelungen des GEG sollen unmittelbar erst einmal nur für Neubauten gelten, sofern noch keine kommunale Wärmeplanung für das Gebiet vorliegt. Insbesondere für Bestandsbauten soll die kommunale Wärmeplanung dann der Dreh- und Angelpunkt sein und vor Ort verschiedene zukünftige Optionen aufzeigen. Auf Grundlage einer Wärmeplanung werden Hausbesitzer also besser entscheiden können, in welche Heizungstechnik sie investieren sollten. In Gebieten mit über 100.000 Einwohnern soll eine Wärmeplanung ab Mitte 2026 und für die restlichen Kommunen ab Mitte 2028 vorliegen. Grundlage dafür wird ein Gesetz sein, welches eng mit dem GEG verzahnt werden wird.

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