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    Verantwortung schafft Stabilität: Wie Stefan Dohler auf die aktuelle Energielage blickt

    Viele Menschen verfolgen die Entwicklungen an den Energiemärkten derzeit wieder aufmerksam. Geopolitische Spannungen, Diskussionen über Versorgungssicherheit und schwankende Preise sorgen bei vielen Haushalten für neue Fragen rund um die eigene Energieversorgung. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Photovoltaikanlagen, Speichern, Wärmepumpen und Elektrofahrzeugen deutlich an. Im Interview spricht Stefan Dohler darüber, warum viele Menschen heute bewusster entscheiden, weshalb die Energiewende zunehmend auch wirtschaftlich sinnvoll ist und warum langfristiges Denken gerade jetzt wichtig bleibt.

    © AdobeStock/Ben

    Herr Dohler, viele Menschen beschäftigen sich aktuell wieder intensiver mit ihrer Energieversorgung. Woran merken Sie das bei EWE konkret?

    Wir merken deutlich, dass der Informationsbedarf gestiegen ist. Viele Haushalte beschäftigen sich intensiver mit der Frage, wie sie ihre Energieversorgung langfristig stabiler und planbarer gestalten können. Das zeigt sich auch an den Anfragen: Im Bereich Photovoltaik und Speicher haben sich diese zuletzt etwa verdoppelt. Im Gasbereich beobachten wir dagegen keinen vergleichbaren Trend. Dort möchten viele Kundinnen und Kunden vor allem wissen, wie stabil ihre bestehenden Tarife bleiben und welche langfristigen Optionen sie haben.

    Gleichzeitig sehen wir, dass die Menschen bewusster entscheiden. Sie informieren sich intensiver und nehmen sich mehr Zeit für Investitionen. Das zeigt: Die Menschen reagieren nicht panisch, sondern sehr überlegt.

    Warum viele Menschen heute bewusster entscheiden

    Was steckt hinter dieser Entwicklung?

    Viele Menschen wollen ihre Energieversorgung heute aktiver gestalten. Dabei geht es häufig um einen Dreiklang: mehr Unabhängigkeit, moderne und effiziente Technologien sowie langfristig stabile Energiekosten. Gleichzeitig spielt auch der Klimaschutz weiterhin eine wichtige Rolle.

    Interessant ist aber, dass viele Entscheidungen inzwischen weniger von politischen Debatten abhängen, sondern stärker einer eigenen wirtschaftlichen Logik folgen. Die Menschen merken, dass moderne Energielösungen zunehmend wirtschaftlich attraktiv sind. Wer heute in Photovoltaik, Speicher oder Wärmepumpe investiert, tut häufig nicht nur etwas fürs Klima, sondern auch für mehr Planbarkeit und geringere Energiekosten.

    Gerade im Nordwesten sehen wir schon seit Jahren eine hohe Affinität zur eigenen Energieversorgung. Viele Hausbesitzer nutzen ihre Dachflächen bereits für Photovoltaik und interessieren sich zunehmend für integrierte Energiesysteme. Dahinter stehen langfristige Entscheidungen und nicht kurzfristige Reaktionen auf einzelne Schlagzeilen. Es ist ein langfristiger Trend unabhängig von der geopolitischen Lage.

    Haben sich die Motive der Menschen in den vergangenen Jahren verändert?

    Ja, definitiv. Vor einigen Jahren stand häufig noch stärker der ökologische Gedanke im Vordergrund. Heute kommen Themen wie Planbarkeit, Versorgungssicherheit und langfristige Wirtschaftlichkeit viel stärker hinzu. Viele Menschen haben in den vergangenen Jahren erlebt, wie stark Energiepreise vor allem durch weltweite Krisen schwanken können. Daraus entsteht der Wunsch, unabhängiger und resilienter zu werden. Gleichzeitig werden die Alternativen technisch immer besser und preislich attraktiver.

    EWE-CEO Stefan Dohler

    Viele Menschen merken, dass moderne Energielösungen zunehmend wirtschaftlich sinnvoll sind, weil sie langfristig mehr Planbarkeit, geringere Energiekosten und ein Stück mehr Unabhängigkeit ermöglichen. EWE-Vorstandsvorsitzender Stefan Dohler

    Wie sehen die Nachfragen konkret aus?

    Die meisten Anfragen kommen weiterhin aus dem Privatkundenbereich, insbesondere von Eigentümerinnen und Eigentümern von Einfamilienhäusern. Gleichzeitig gewinnen aber auch gewerbliche Projekte zunehmend an Bedeutung. Schwieriger bleibt der Bereich der Mehrfamilienhäuser, vor allem aufgrund regulatorischer und organisatorischer Rahmenbedingungen.
    Viele Menschen beschäftigen sich wieder intensiver mit Fragen wie: Wie kann ich meine Energiekosten langfristig planbarer machen? Welche Technologien sind sinnvoll? Wie unabhängig kann ich mich aufstellen? Das sehen wir konkret an der steigenden Nachfrage nach Photovoltaik, Batteriespeichern oder Wärmepumpen.

    Das Interesse geht dabei klar in Richtung integrierter Gesamtlösungen: Die Menschen informieren sich nicht mehr nur für einzelne Produkte, sondern für das Zusammenspiel aus Photovoltaik, Speicher, Wärmepumpe, Wallbox und intelligentem Energiemanagement. Der selbst erzeugte Strom soll möglichst effizient im eigenen Haushalt genutzt werden.

    Energieversorgung im Wandel: Drei Entwicklungen im Überblick

    Mehr Interesse an eigener Energieversorgung
    Die Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen und Batteriespeichern hat sich bei EWE zuletzt etwa verdoppelt.

    Energie wird stärker als Gesamtsystem gedacht
    Immer mehr Haushalte kombinieren Photovoltaik, Speicher, Wärmepumpe, Wallbox und intelligentes Energiemanagement miteinander.

    Weniger Abhängigkeit von fossilen Importen
    Europa importiert fossile Energien im Wert von rund 400 Milliarden Euro pro Jahr. Erneuerbare Energien entstehen dagegen regional und machen unabhängiger von internationalen Krisen.

    Im Gasbereich geht es dabei vor allem um die Frage, ob die aktuellen Tarife stabil bleiben oder darum, bestehende Verträge zu verlängern oder abzusichern. 

    Warum entwickelt sich Energieversorgung zunehmend zu einem Gesamtsystem?

    Weil die Technologien heute immer besser zusammenspielen. Der selbst erzeugte Strom kann gespeichert, zum Laden eines Elektroautos genutzt oder für die Wärmepumpe eingesetzt werden. Hinzu kommen intelligente Steuerungen und dynamische Stromtarife. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten, Energie effizienter und flexibler zu nutzen.

    Für viele Menschen ist das inzwischen ein langfristiges Zukunftsthema. Es geht nicht um kurzfristige Reaktionen, sondern um Investitionen, die Haushalte oft über 20 Jahre oder länger begleiten.

    Die Energiemärkte reagieren weiterhin sensibel auf geopolitische Entwicklungen. Wie würden Sie die aktuelle Lage für Verbraucherinnen und Verbraucher einordnen?

    Die Märkte bleiben volatil und reagieren sensibel auf internationale Entwicklungen. Gleichzeitig ist wichtig: Wir erleben derzeit keine neue Energiekrise. Das Preisniveau liegt weiterhin deutlich unter den Extremwerten der vergangenen Jahre und auch die Versorgungssicherheit in Deutschland ist heute höher als noch vor zwei oder drei Jahren.

    Europa hat seine Energieversorgung breiter aufgestellt und gleichzeitig wurden erneuerbare Energien deutlich ausgebaut. Das macht das Gesamtsystem robuster.

    Viele Menschen fragen sich trotzdem, ob neue Preissteigerungen drohen. Wie berechtigt ist diese Sorge?

    Dass Menschen aufmerksam auf Entwicklungen schauen, ist absolut nachvollziehbar. Energie betrifft schließlich den Alltag direkt. Gleichzeitig muss man unterscheiden zwischen kurzfristigen Marktbewegungen und den Preisen, die tatsächlich bei Haushalten ankommen.

    Energieversorger beschaffen langfristig und gestaffelt. Deshalb wirken sich kurzfristige Ausschläge an den Großhandelsmärkten nicht unmittelbar auf die Strom- oder Gasrechnung aus. Wichtig ist aus meiner Sicht vor allem: Die Lage ist in Bewegung, aber sie ist aktuell beherrschbar.

    Warum Energiewende zunehmend auch wirtschaftlich wird

    Sie sagen häufig, dass die Energiewende nicht nur eine ökologische, sondern zunehmend auch eine wirtschaftliche Frage ist. Was meinen Sie damit konkret?

    Die geopolitischen Entwicklungen der vergangenen Jahre zeigen sehr deutlich, wie wichtig mehr Unabhängigkeit bei der Energieversorgung geworden ist. Gleichzeitig sehen wir heute, dass erneuerbare Energien nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, sondern auch wirtschaftlich attraktiv sein können. Europa importiert für etwa 400 Milliarden Euro pro Jahr fossile Energie, Deutschland für 80 Milliarden Euro. Das ist Geld, das unsere Volkswirtschaft verlässt und gleichzeitig geopolitische Abhängigkeiten schafft, wie wir 2022 und auch gerade jetzt wieder erleben.

    Sonnen- und Windenergie entstehen regional und sind nicht von fossilen Energieimporten abhängig. Gleichzeitig sind viele Technologien deutlich effizienter und alltagstauglicher geworden. Deshalb erleben wir zunehmend, dass das, was klimafreundlich ist, gleichzeitig auch wirtschaftlich sinnvoll wird. Außerdem senkt eine zunehmende Elektrifizierung auch den Energieeinsatz, da beispielsweise eine Wärmepumpe im Vergleich zur Gasheizung nur etwa ein Drittel der Kilowattstunden für die Erzeugung der gleichen Wohlfühlwärme verbraucht.

    Welche Chancen der Nordwesten jetzt hat

    Welche Chancen ergeben sich daraus langfristig für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie für den Nordwesten?

    Der Nordwesten ist eine der wichtigsten Energieregionen Deutschlands. Hier entstehen große Potenziale bei erneuerbaren Energien, Wasserstoff, Infrastruktur und neuen Technologien. Das schafft Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Zukunftsperspektiven in der Region.

    Gleichzeitig profitieren Verbraucherinnen und Verbraucher langfristig davon, dass mit einem höheren Anteil erneuerbarer Energien auch die Abhängigkeit von fossilen Preistreibern sinkt. Deshalb sind aktuell die Strompreise sehr viel weniger gestiegen als die Gaspreise.

    Welche Rolle möchte EWE dabei einnehmen?

    Unsere Aufgabe sehen wir darin, verständlich einzuordnen und Orientierung zu geben. Es geht nicht darum, Menschen zu schnellen Entscheidungen zu drängen. Investitionen in Energielösungen begleiten Haushalte oft über Jahrzehnte. Deshalb brauchen Menschen transparente Informationen und Lösungen, die wirklich zu ihrer individuellen Situation passen.
    Dafür bieten wir unterschiedliche Leistungen an, etwa unabhängige Gebäudeenergieberatungen oder Informationsveranstaltungen vor Ort und online. Dort erklären unsere Expertinnen und Experten verständlich, welche Möglichkeiten Haushalte heute haben und welche Lösungen langfristig sinnvoll sein können.

    Gerade in bewegten Zeiten zählt ein Partner, der einordnet, langfristig mitdenkt und Vertrauen schafft.

    Wenn Sie zum Schluss einen Blick nach vorn werfen: Was macht Ihnen derzeit Zuversicht?

    Mich stimmt zuversichtlich, dass viele Menschen heute sehr bewusst auf die Veränderungen schauen und ihre Energieversorgung aktiver selbst gestalten wollen. Dabei spielen längst nicht mehr nur geopolitische Entwicklungen oder politische Debatten eine Rolle, sondern auch der eigene Geldbeutel.

    Viele Menschen merken, dass moderne Energielösungen zunehmend wirtschaftlich sinnvoll sind, weil sie langfristig mehr Planbarkeit, geringere Energiekosten und ein Stück mehr Unabhängigkeit ermöglichen. Gleichzeitig verfügen wir heute über Technologien, die effizient, klimafreundlich und alltagstauglich sind.

    Und wir sehen, wie viel Innovationskraft in unserer Region steckt – bei Unternehmen, Kommunen und privaten Haushalten. Entscheidend ist jetzt, dass wir unser Energiesystem langfristig stabil, bezahlbar und nachhaltig weiterentwickeln.

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