Warum Fördermittel unverzichtbar sind
Fördermittel sind kein geschenktes Geld. Sie werden dort eingesetzt, wo Staat und Gesellschaft ein besonderes Interesse haben, etwa bei der Energiewende oder beim Ausbau digitaler Infrastruktur. „Mit Fördermitteln können wir Projekte umsetzen, die wir sonst gar nicht oder nur mit einem sehr hohen wirtschaftlichen Risiko realisieren würden“, erklärt Janine Gröning. Besonders deutlich wird das beim Thema Wasserstoff. Thomas Götze ergänzt: „Stand heute ist Wasserstoff einfach noch sehr teuer. Ohne Förderung wäre das wirtschaftlich kaum darstellbar.“
Auch im Wärmebereich oder im Breitbandausbau spielen Förderprogramme eine zentrale Rolle. Sie ermöglichen moderne, klimafreundliche Lösungen, ohne die Kosten einseitig auf Kundinnen und Kunden zu verlagern. Fördermittel wirken hier als Brücke zwischen technischer Innovation und sozialer Verantwortung.
Konkrete Projekte, die mit Fördermitteln möglich werden
Wie vielfältig Fördermittel wirken, zeigt der Blick auf einige der etwas 90 parallellaufenden Projekte bei EWE. Sie reichen von der Transformation bestehender Wärmenetze bis zum Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft.
Klimaneutrale Wärmenetze mit BEW-Förderung
Ein zentrales Instrument ist die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW). Sie unterstützt Wärmenetzbetreiber dabei, bestehende Netze zu dekarbonisieren und neue Netze mit hohen Anteilen erneuerbarer Energien aufzubauen. Ziel ist es, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern und Verbraucherinnen und Verbraucher langfristig klimaneutral und bezahlbar mit Wärme zu versorgen.
In Brandenburg werden mithilfe der BEW unter anderem Wärmenetze in Erkner, Eberswalde, Fürstenwalde und Seelow weiterentwickelt. Auch touristisch geprägte Standorte wie das Ostseebad Binz und das Ostseebad Sellin gehören zu den Projekten, bei denen erneuerbare Wärmequellen schrittweise fossile Energien ersetzen.
Ähnliche Vorhaben laufen in Niedersachsen. Dort begleitet EWE unter anderem die Wärmenetztransformation in Munster, der Gartenstadt Mühlenhof, Oldenburg Krusenbusch sowie in Delmenhorst Nordwolle. Ziel ist jeweils eine zukunftsfähige Wärmeversorgung, die erneuerbare Energien integriert und bestehende Infrastrukturen langfristig nutzbar macht. „Ohne Förderung wären viele dieser Projekte wirtschaftlich kaum darstellbar“, sagt Janine Gröning. „Dann würden sich die Investitionen direkt in höheren Wärmepreisen niederschlagen.“
Wasserstoff als Langfristprojekt
Noch größer ist der Maßstab beim Wasserstoff. Im Rahmen des mehrteiligen Projekts Clean Hydrogen Coastline entsteht derzeit eine komplette Infrastruktur für eine zukünftige Wasserstoffwirtschaft im Nordwesten.
Dazu gehört der Bau einer 320-Megawatt-Wasserstofferzeugungsanlage in Emden, der Umbau einer ehemaligen Erdgaskaverne in Huntorf zur Speicherung von Wasserstoff sowie der Neu- und Umbau von Pipeline-Infrastruktur. Alle Teilprojekte greifen ineinander und sind langfristig ausgelegt.
Ein weiteres Projekt, dass mit Fördermitteln realisiert wird, ist das Projekt HyCAVmobil, in welchem die Speicherung von Wasserstoff in unterirdischen Salzkavernen erstmals in Europa im Praxistest erprobt wird. „Das sind Investitionen mit hohem Risiko und langen Zeithorizonten“, erklärt Thomas Götze. „Ohne Fördermittel würden solche Projekte entweder gar nicht oder deutlich später realisiert.“
Zwischen Schreibtisch und Cafeteria stimmen sich Janine und Thomas zu laufenden Förderprojekten bei EWE ab.
Vom Projektgedanken zum Förderbescheid
Die Idee für ein Förderprojekt entsteht nicht im Fördermittelmanagement selbst, sondern in den Fachbereichen und Gesellschaften. Dort wird erkannt, dass ein Vorhaben grundsätzlich förderfähig sein könnte. Ab diesem Moment werden Janine Gröning und Thomas Götze eingebunden.
„Unser Appell an die Kollegen ist immer: Bitte möglichst früh melden“, sagt Thomas Götze. „Nicht erst dann, wenn der Zuwendungsbescheid schon vorliegt.“ Denn bereits im Antrag wird das gesamte Projekt durchgeplant und es können viele Fehler passieren. Es müssen – auch bei langjährigen Projekten – Budget, Personal, Laufzeit und Meilensteine schon im Antrag genannt werden. Fehler in dieser Phase können später kaum noch korrigiert werden.
Ist der Antrag erfolgreich, folgt der Zuwendungsbescheid. Was nach einem Meilenstein klingt, markiert in Wahrheit erst den Beginn der eigentlichen Arbeit.
Förderbedingungen, Fristen und Verantwortung
Ein Förderbescheid umfasst oft viele Seiten voller Vorgaben, Fristen und Detailregelungen. Genau hier liegt der Kern des Fördermittelmanagements. „Unsere Aufgabe ist es, gemeinsam mit den Projektteams sicherzustellen, dass ein Förderprojekt regelkonform umgesetzt wird“, erklärt Thomas. „Es geht um öffentliche Gelder und damit letztlich um Steuermittel.“
Jeder Euro muss nachvollziehbar dokumentiert werden, und zwar so, dass er auch Jahre später noch erklärt werden kann. Hinzu kommen Zwischenberichte, Verwendungsnachweise und Abschlussberichte. „Das ist eine enorme Bürokratie“, sagt Janine Gröning, „aber sie ist auch berechtigt.“
Was im Hintergrund passiert
Ein Großteil der Arbeit bleibt für Außenstehende unsichtbar. Janine Gröning, Thomas Götze und ihre Kollegen und Kolleginnen führen Fristenkalender für rund 90 laufende Förderprojekte, prüfen Abrechnungen, koordinieren Nachweise und erinnern an Berichtspflichten. Sie sind Ansprechpersonen für Projektteams und für Projektträger
„Förderprojekte sind komplett durchgetaktet“, beschreibt Thomas Götze den Alltag. „Im Bescheid steht genau, wann welcher Nachweis fällig ist.“ Werden Fristen versäumt, kann das finanzielle Konsequenzen haben, bis hin zur Rückzahlung von Fördermitteln.
Deshalb gehört auch viel interne Kommunikation dazu. Nicht jede Kollegin und jeder Kollege ist begeistert, wenn zusätzliche Dokumentationspflichten entstehen. „Wir versuchen, die Kolleginnen und Kollegen mitzunehmen und zu unterstützen“, sagt Janine Gröning. „Am Ende soll niemand allein gelassen werden.“
Wenn etwas nicht nach Plan läuft
Gerade bei großen Infrastrukturprojekten lassen sich Verzögerungen nicht immer vermeiden. Lieferprobleme, Genehmigungsverfahren oder geänderte Rahmenbedingungen können Zeitpläne durcheinanderbringen.
„Kommunikation ist dann das A und O“, betont Janine Gröning. Verzögerungen lassen sich anzeigen, Fristen können verlängert werden, wenn frühzeitig und offen mit dem Fördergeber gesprochen wird. „Das sind ganz normale Menschen“, ergänzt Thomas Götze. „Je transparenter man ist, desto eher findet man gemeinsam eine Lösung.“
Mehr Fördermittel gibt es dadurch zwar nicht, aber häufig mehr Zeit und damit Handlungsspielraum.
Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Partnern
Förderprojekte sind nicht nur eine Finanzierungsfrage. Viele Vorhaben leben vom Austausch zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Hochschulen und Forschungseinrichtungen bringen andere Perspektiven ein und stellen bestehende Lösungsansätze infrage.
„Dieser Austausch ist ein ganz wichtiger Punkt“, sagt Thomas Götze. „Es geht nicht nur ums Geld, sondern um neue Perspektiven.“ Wissenschaftliche Partner bringen andere Denkansätze ein, Unternehmen die Praxis. So entstehen Lösungen, die ein einzelner Akteur kaum entwickeln könnte.
Ein Beruf ohne klassischen Weg
Einen festen Ausbildungsweg für Fördermittelmanagement gibt es nicht. „Man kann das nicht studieren“, sagt Thomas Götze. Vieles entsteht durch Erfahrung, durch Prüfungen, Gespräche mit Projektträgern und den Umgang mit sehr unterschiedlichen Projekten. Thomas Götze ist quasi von Anfang an dabei. „Früher gab es bei der EWE AG eine zentrale Forschungs- und Entwicklungsabteilung mit vielen Mitarbeitenden. Dort entstand erstmals die Idee, innovative Themen gebündelt voranzutreiben. Diese Struktur wurde später aufgelöst, doch die Arbeit an Förderprojekten lief weiter.“ Und Thomas Götze blieb nach der Auflösung dem Thema treu, begleitete weiterhin Förderanträge und brachte seine Erfahrung in neue Projekte ein.
Janine Gröning ist vor sieben Jahren eher zufällig in das Thema gekommen. „Ich hatte anfangs keine Ahnung davon“, sagt sie. „Aber genau das macht es spannend. Man lernt ständig dazu, und es wird nie Routine.“
Kaum jemand, der im Fördermittelmanagement arbeitet, hatte vorher etwas mit diesem Bereich zu tun. „Eigentlich ist es bei uns viel Learning by Doing“, ergänzt Thomas Götze. „Bei Stellenausschreibungen erleben wir fast immer das Gleiche: Die Bewerberinnen und Bewerber sagen offen, dass sie noch keine Erfahrung im Fördermittelmanagement haben, das Thema sie aber sehr interessiert. Dieses Wissen lässt sich nicht klassisch erlernen. Es entsteht im Arbeitsalltag, indem wir neue Kolleginnen und Kollegen mitnehmen und sie jeden Tag etwas dazulernen. Eine formale Grundausbildung für Fördermittelmanagement gibt es nicht.“
Fördermittel als Fundament für Zukunft
Am Ende geht es um Vertrauen. In sorgfältige Planung, transparente Prozesse und einen verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln. Fördermittel ermöglichen bei EWE Investitionen in eine Zukunft, die sonst nicht erreichbar wäre, technisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Oder wie Janine Gröning es zusammenfasst: „Schön, dass wir im Hintergrund unterstützen können und dass diese Arbeit am Ende Wirkung zeigt.“