Bei Starkregen droht Wasser nicht nur von außen ins Gebäude einzudringen. Ist die Kanalisation überlastet, kann Abwasser über ungesicherte Toiletten, Duschen oder Bodenabläufe im Keller zurück ins Haus gedrückt werden. Besonders gefährdet sind tiefer gelegene Eingänge, Kellerfenster, Lichtschächte, Garagenzufahrten und Abläufe unterhalb der sogenannten Rückstauebene. Hauseigentümer sollten diese Schwachstellen prüfen und gegebenenfalls baulich sichern lassen. Mieter können ebenfalls vorsorgen: Warnmeldungen verfolgen, Wertgegenstände nicht auf dem Kellerboden lagern, Fenster schließen und bei erkennbaren Mängeln frühzeitig den Vermieter informieren. Geht der Starkregen mit einem Gewitter einher, sollten Sie empfindliche Telekommunikations- und Elektrogeräte möglichst vollständig vom Netz trennen.
Was ist Starkregen?
Von Starkregen spricht man, wenn in kurzer Zeit außergewöhnlich viel Niederschlag fällt. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor unwetterartigem Starkregen, wenn mehr als 25 Liter Regen pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde oder mehr als 35 Liter innerhalb von sechs Stunden erwartet werden. Anders als bei einem langsam steigenden Flusshochwasser kann Starkregen grundsätzlich fast überall auftreten. Das Wasser sammelt sich in Senken, strömt über Straßen und Grundstücke oder überlastet die Kanalisation. Auch Häuser außerhalb ausgewiesener Überschwemmungsgebiete können deshalb betroffen sein.
Wie gelangt Wasser ins Haus?
Wasser kann auf verschiedenen Wegen in ein Gebäude eindringen:
| Schwachstelle | Mögliche Gefahr |
| Kellerfenster und Lichtschächte | Oberflächenwasser läuft direkt hinein |
| Tiefer gelegene Türen und Eingänge | Wasser staut sich vor dem Gebäude |
| Garagenzufahrt | Wasser fließt über das Gefälle in die Garage |
| Bodenabläufe und Sanitärobjekte | Abwasser wird bei Rückstau ins Haus gedrückt |
| Undichte Kellerwände | Feuchtigkeit dringt durch Fugen und Risse |
| Dachrinne und Fallrohr | Überlaufendes Wasser gelangt an die Fassade |
| Grundstücksgefälle | Wasser wird zum Gebäude statt davon weg geleitet |
Der erste Schritt der Vorsorge ist daher ein Rundgang um das Haus: Wo könnte sich Wasser sammeln und welchen Weg würde es bei einem heftigen Regenguss nehmen?
Was können Hauseigentümer gegen Starkregen tun?
1. Rückstauschutz prüfen lassen
Bei überlasteter Kanalisation kann Wasser durch tiefer liegende Abflüsse ins Gebäude zurückgedrückt werden. Gefährdet sind vor allem Bodenabläufe, Waschbecken, Duschen und Toiletten im Keller. Eine Rückstauklappe kann den Rückfluss verhindern. Sie eignet sich jedoch nicht für jede Nutzungssituation. Werden Räume im Keller regelmäßig genutzt oder befinden sich dort wichtige Sanitäreinrichtungen, kann eine Abwasserhebeanlage die bessere Lösung sein. Welche Technik erforderlich ist, sollte ein Sanitärfachbetrieb anhand des Gebäudes und der örtlichen Entwässerungssatzung beurteilen. Rückstausicherungen müssen regelmäßig gewartet werden. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, die Wartung zu dokumentieren, da dies auch für den Versicherungsschutz wichtig sein kann.
2. Kellerfenster und Lichtschächte sichern
Lichtschächte sollten möglichst erhöht eingefasst und gegen eindringendes Oberflächenwasser geschützt sein. Abdeckungen halten Laub und groben Schmutz fern, sind aber nicht automatisch wasserdicht. Für besonders gefährdete Kellerfenster kommen druckwasserdichte Fenster oder mobile Schutzsysteme infrage. Auch Türen können durch Schwellen oder passgenaue Barrieren gesichert werden. Wichtig: Mobile Elemente helfen nur, wenn sie griffbereit sind und rechtzeitig eingesetzt werden können.
3. Wasser vom Haus wegleiten
Das Gelände sollte möglichst vom Gebäude weg abfallen. Mulden, Rinnen und ausreichend große Entwässerungsflächen können Wasser gezielt ableiten oder vorübergehend aufnehmen.
Versiegelte Flächen lassen Regen kaum versickern. Wo möglich, helfen wasserdurchlässige Pflasterungen, Grünflächen, bepflanzte Mulden oder eine Entsiegelung des Grundstücks. Regen sollte allerdings nicht unkontrolliert auf benachbarte Grundstücke geleitet werden.
4. Dachentwässerung kontrollieren
Verstopfte Dachrinnen und Fallrohre können bei Starkregen überlaufen. Reinigen Sie sie deshalb regelmäßig und prüfen Sie, ob Wasser sicher abgeleitet wird.
Auch die Entwässerung von Flachdächern und Balkonen sollte funktionierende Notüberläufe besitzen. Bei Unsicherheit empfiehlt sich eine fachliche Kontrolle.
5. Keller möglichst schadensarm nutzen
Lagern Sie wertvolle Gegenstände, Dokumente, Elektrogeräte und empfindliche Möbel nicht direkt auf dem Boden. Nutzen Sie erhöhte Regale und wasserdichte Behälter. Heizöl, Farben, Reinigungsmittel und andere gefährliche Stoffe müssen so gesichert sein, dass sie bei einer Überflutung nicht austreten oder aufschwimmen können. Gelangen Schadstoffe ins Wasser, sollte die Feuerwehr verständigt werden.
Was können Mieter gegen Starkregen tun?
Auch ohne bauliche Veränderungen lässt sich das Risiko reduzieren:
- Verfolgen Sie amtliche Unwetterwarnungen.
- Lagern Sie Wertgegenstände nicht auf dem Kellerboden.
- Verwenden Sie robuste, geschlossene Kunststoffboxen statt Kartons.
- Halten Sie Kellerfenster bei angekündigtem Starkregen geschlossen.
- Entfernen Sie Gegenstände von Balkon- und Terrassenabläufen.
- Informieren Sie den Vermieter über undichte Fenster, verstopfte Abläufe oder auffällige Feuchtigkeit.
- Klären Sie, wo sich Sicherungskasten und Hauptwasserhahn befinden.
- Prüfen Sie den Schutz Ihrer Hausratversicherung.
Mieter sollten keine Rückstauklappen, Pumpen oder baulichen Abdichtungen eigenmächtig installieren. Solche Maßnahmen müssen mit dem Eigentümer oder der Hausverwaltung abgestimmt werden.
Was tun bei einer Starkregenwarnung?
Die WarnWetter-App des Deutschen Wetterdienstes (Apple AppStore, Google Play) informiert über aktuelle Wetter- und Gefahrenlagen. Zusätzlich können Warnungen über NINA, Cell Broadcast, Radio und lokale Behörden verbreitet werden. Bei einer konkreten Warnung sollten Sie:
- Kellerfenster und Außentüren schließen.
- Mobile Schutzbarrieren einsetzen, sofern gefahrlos möglich.
- Lose Gegenstände im Garten und auf dem Balkon sichern.
- Wertgegenstände und wichtige Dokumente aus gefährdeten Räumen entfernen.
- Fahrzeuge frühzeitig aus Tiefgaragen, Senken und überflutungsgefährdeten Bereichen bringen.
- Rückstauverschlüsse kontrollieren, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.
- Smartphone, Taschenlampe und Powerbank bereithalten.
- Kinder und hilfsbedürftige Personen informieren.
Geht der Starkregen mit einem Gewitter einher, sollten Sie empfindliche Telekommunikations- und Elektrogeräte möglichst vollständig vom Netz trennen. Ziehen Sie dazu nicht nur den Netzstecker von Router, Computer, Fernseher oder Telefonanlage, sondern – soweit gefahrlos möglich – auch angeschlossene Daten-, Antennen- oder Telefonleitungen. Das schützt besser vor Überspannungsschäden als das bloße Ausschalten der Geräte. Am sichersten ist es, die Verbindungen bereits vor Beginn des Gewitters zu lösen und während des Gewitters keine Stecker oder Leitungen mehr anzufassen.
Was tun, wenn Wasser eindringt?
Die eigene Sicherheit hat immer Vorrang.
Gehen Sie nicht in einen bereits überfluteten Keller. Wasser kann elektrische Anlagen erreicht haben. Zudem kann eine Tür durch den Wasserdruck blockiert werden oder der Wasserstand plötzlich steigen. Das BBK warnt ausdrücklich davor, sich bei Hochwasser im Keller aufzuhalten.
Schalten Sie den Strom in gefährdeten Bereichen nur dann ab, wenn Sie den Sicherungskasten gefahrlos und trockenen Fußes erreichen können. Besteht Stromschlaggefahr, verständigen Sie Feuerwehr oder Netzbetreiber. Weitere wichtige Regeln:
- Betreten oder durchfahren Sie keine überfluteten Straßen.
- Meiden Sie Tiefgaragen und Unterführungen.
- Befolgen Sie die Anweisungen der Einsatzkräfte.
- Rufen Sie die Feuerwehr bei akuter Gefahr über 112.
- Pumpen Sie einen überfluteten Keller nicht vorschnell leer, wenn außen noch Wasser ansteht. Der Druckunterschied kann das Gebäude beschädigen.
Welche Versicherung zahlt bei Starkregen?
Eine normale Wohngebäudeversicherung deckt typischerweise Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm oder Hagel ab. Überschwemmung und Rückstau sind jedoch häufig nur über eine zusätzliche Elementarschadenversicherung versichert. Für Eigentümer ergänzt sie die Wohngebäudeversicherung und schützt – je nach Vertrag – das Gebäude. Mieter und Eigentümer benötigen für Möbel, Elektrogeräte und andere bewegliche Gegenstände eine entsprechend erweiterte Hausratversicherung. Prüfen Sie insbesondere:
- Sind Überschwemmung und Rückstau eingeschlossen?
- Gibt es eine Selbstbeteiligung?
- Welche Schutz- und Wartungspflichten gelten?
- Sind Kellerinhalte vollständig mitversichert?
- Gelten Wartezeiten oder besondere Ausschlüsse?
Rückstauschäden sind nicht automatisch in jeder Gebäude- oder Hausratversicherung enthalten. Auch Kommunen haften dafür in der Regel nicht.
Ja. Starkregen fällt häufig sehr lokal und kann auch Gebäude außerhalb von Fluss- oder Küstengebieten treffen. Besonders gefährdet sind Häuser in Senken, an Hängen oder mit tiefer liegenden Zugängen.
Eine Rückstauklappe verschließt die Abwasserleitung, wenn Wasser aus der Kanalisation in Richtung Gebäude zurückdrückt. Ob sie zulässig und ausreichend ist, hängt von den angeschlossenen Räumen und Sanitärobjekten ab.
Nicht immer. Steht das Grund- oder Hochwasser außen höher als im Keller, kann zu schnelles Abpumpen Schäden an Bodenplatte und Wänden verursachen. Im Zweifel sollten Feuerwehr oder Fachleute entscheiden.
Für bauliche Maßnahmen ist grundsätzlich der Eigentümer verantwortlich. Mieter müssen jedoch zumutbare Vorsichtsmaßnahmen treffen und erkennbare Schäden oder Gefahren unverzüglich melden.
Nur wenn Elementarschäden wie Überschwemmung oder Rückstau im Vertrag eingeschlossen sind. Eine normale Hausratversicherung reicht häufig nicht aus.
Viele Kommunen veröffentlichen Starkregengefahrenkarten oder Hochwasserinformationen. Zusätzlich bietet das Naturgefahrenportal des Bundes standortbezogene Warn- und Vorsorgeinformationen.
Starkregen lässt sich nicht verhindern. Schäden lassen sich aber häufig deutlich begrenzen. Eigentümer sollten besonders Rückstauschutz, Kelleröffnungen, Entwässerung und Grundstücksgefälle prüfen. Mieter können mit sicherer Lagerung, Aufmerksamkeit und einer schnellen Meldung von Schwachstellen vorsorgen.
Bei einer akuten Überflutung gilt immer: Menschen schützen, gefährdete Räume verlassen und keine unnötigen Risiken eingehen. Keller, Tiefgaragen und überflutete Straßen können innerhalb kurzer Zeit lebensgefährlich werden.