Was verrät die Statista-Umfrage über die Haltung zum Klimaschutz?
Eine repräsentative Statista-Umfrage im Auftrag von EWE zeigt, dass Klimaschutz für viele Menschen in Niedersachsen weiterhin eine hohe Bedeutung hat. 66 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen Klimaschutz im Alltag wichtig ist. In der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen liegt dieser Wert sogar bei 83 Prozent.
Für Rieke Oetken ist das ein ermutigendes Signal. „Es ist sehr erfreulich, dass ein Großteil der Menschen weiterhin hinter dem Klimaschutz steht“, sagt sie. Gerade in Zeiten vieler gesellschaftlicher, geopolitischer und wirtschaftlicher Herausforderungen sei das keine Selbstverständlichkeit.
Besonders bei jüngeren Menschen sei das Thema stark verankert. Sie wachsen mit Klimafragen auf, begegnen ihnen in Schule, Medien und gesellschaftlichen Debatten. Gleichzeitig seien sie es, die langfristig stärker von den Folgen betroffen sind. „Die jüngere Generation setzt sich intensiver damit auseinander, weil es ihre eigene Zukunft direkt betrifft“, erklärt Oetken.
Doch Klimaschutz ist kein reines Generationenthema. Auch in anderen Altersgruppen ist das Thema präsent, oft mit unterschiedlichen Perspektiven und Prioritäten. Entscheidend ist, dass das Thema in der Breite der Gesellschaft angekommen ist und dort weitergetragen wird.
Warum wird der Fortschritt der Energiewende oft anders wahrgenommen?
Die Statista-Umfrage macht dieses Spannungsfeld besonders deutlich: Obwohl Klimaschutz für viele Menschen wichtig bleibt, sehen 72 Prozent der Befragten in Niedersachsen deutlichen Nachholbedarf bei der Energiewende. Für Rieke Oetken ist das nachvollziehbar. „Wir leben in einer sehr komplexen Zeit mit vielen parallelen Herausforderungen. Da rücken langfristige Themen wie Klimaschutz schnell in den Hintergrund“, sagt sie.
Viele Prozesse der Energiewende benötigen Zeit. Genehmigungen, Planung und Ausbau von Infrastruktur sind oft langwierig, während Fortschritt im Alltag meist erst wahrgenommen wird, wenn neue Anlagen, Netze oder Angebote tatsächlich sichtbar werden. „Die Energiewende ist hochkomplex und vieles davon ist im Alltag nicht direkt sichtbar“, so Oetken. Dadurch kann der Eindruck entstehen, es gehe zu langsam voran, obwohl strukturell bereits viel in Bewegung ist.
Wie wichtig ist es, Fortschritte besser zu kommunizieren?
Für Oetken ist Kommunikation ein entscheidender Schlüssel. „Wir müssen stärker darüber sprechen, was bereits erreicht wurde und warum bestimmte Schritte notwendig sind“, betont sie.
Viele Fortschritte bleiben abstrakt. Der Ausbau von Netzen oder die Integration erneuerbarer Energien sind wichtige Meilensteine, aber für Verbraucherinnen und Verbraucher oft nicht direkt greifbar. Sichtbare Entwicklungen wie Ladepunkte für Elektroautos werden hingegen schneller wahrgenommen.
„Es geht darum, Erfolge verständlich zu machen und gleichzeitig offen über Herausforderungen zu sprechen“, sagt Oetken. Nur so könne Vertrauen entstehen und die Energiewende als realer Fortschritt erlebt werden.
Welche Rolle spielt das Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft?
Die Energiewende ist eine gemeinsame Aufgabe. Für Rieke Oetken steht fest, dass sie nur im Zusammenspiel aller Akteure gelingen kann. „Es braucht ein abgestimmtes Handeln von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, damit das System wirklich funktioniert“, erklärt sie.
Dabei gehe es nicht nur um technische Lösungen. Entscheidend sei der Blick auf das Gesamtsystem. Energieerzeugung, Speicherung, Netze und Verbrauch müssen ineinandergreifen. Gleichzeitig brauche es klare und verlässliche Rahmenbedingungen.
„Planungssicherheit ist zentral, damit Unternehmen langfristig investieren können“, so Oetken. Auch mehr Pragmatismus und weniger Bürokratie könnten Prozesse beschleunigen. Wichtig sei zudem ein offener Dialog, der verständlich und nachvollziehbar geführt wird.
Wer mehr darüber erfahren möchte, wie Nachhaltigkeit bei EWE im Unternehmensalltag umgesetzt wird, findet im früheren hallo nachbar-Interview mit Rieke Oetken weitere Einblicke in ihre Arbeit als Nachhaltigkeitsmanagerin.
Was kann eigenes Handeln neben strukturellen Veränderungen bewirken?
Auch beim eigenen Verhalten zeigt die Umfrage, dass Klimaschutz für viele Menschen nicht nur eine abstrakte Haltung ist. Viele Befragte achten im Alltag bereits auf klimafreundliche Entscheidungen, etwa beim Energieverbrauch, bei der Mobilität oder beim Vermeiden und Trennen von Abfall. Für Oetken ist das ein wichtiger Baustein. „Jede Entscheidung zählt, auch im kleinen Rahmen“, sagt sie.
Gleichzeitig sieht sie die Grenzen individuellen Handelns. „Der größte Hebel liegt im System selbst. Ohne strukturelle Veränderungen wird es nicht funktionieren.“ Individuelles Verhalten könne jedoch als Treiber wirken und die Akzeptanz erhöhen.
Wichtig ist ihr dabei ein pragmatischer Ansatz. „Niemand muss perfekt sein. Es geht darum, Schritte zu gehen und Veränderungen möglich zu machen“, erklärt Oetken. Belehrende Ansätze oder Verbote hält sie für wenig zielführend. Stattdessen sollten Motivation und konkrete Vorteile im Vordergrund stehen.
Wie kann die Energiewende im Alltag spürbarer werden?
Ein zentraler Hebel ist Sichtbarkeit. Fortschritte werden dort greifbar, wo Menschen sie im Alltag erleben: an neuen Ladesäulen auf dem Supermarktparkplatz, an Smart Metern, die den eigenen Stromverbrauch transparenter machen, oder an Beratungsangeboten, die konkrete Wege für den eigenen Haushalt aufzeigen.
„Wir müssen Fortschritte sichtbarer machen und zeigen, welchen Nutzen sie im Alltag haben“, sagt Oetken. Dazu gehört auch, Beispiele aus der Praxis zu teilen, etwa von Menschen, die bereits ein E-Auto fahren und zu Hause eine Wallbox nutzen, eine Solaranlage installiert haben oder mit einer Wärmepumpe heizen. Jeder ist dazu aufgerufen, mit Familie, Freunden und Nachbarn über persönliche Erfahrungen zu sprechen, um greifbar zu machen, was heute schon möglich ist.
Welche Bedeutung haben aktuelle Krisen für die Energiewende?
Steigende Energiepreise und geopolitische Entwicklungen verändern die Perspektive auf die Energiewende. Für viele Menschen geht es inzwischen nicht mehr nur um Klimaschutz, sondern auch um die Frage, wie Energie langfristig sicher und bezahlbar bereitgestellt werden kann.
„Die Energiewende wird zunehmend als Chance gesehen, resilienter und unabhängiger von fossilen Energieträgern zu werden“, erklärt Oetken. Auch wenn der konkrete Auslöser für Veränderungen oft wirtschaftlich ist, kann der Effekt gleichzeitig positiv fürs Klima sein.
Damit wird die Energiewende für viele greifbarer: Nachhaltige Lösungen stehen nicht nur für ökologische Verantwortung, sondern zunehmend auch für Versorgungssicherheit, Unabhängigkeit und wirtschaftlichen Nutzen.
Was sind die nächsten entscheidenden Schritte für mehr Fortschritt?
Damit die Energiewende als machbar wahrgenommen wird, braucht es aus Sicht von Rieke Oetken vor allem Klarheit und Vertrauen. „Wir sollten konkrete, erreichbare Ziele definieren, die Menschen im Alltag nachvollziehen können“, sagt sie.
Ebenso wichtig sei es, komplexe Themen verständlich aufzubereiten und Orientierung zu geben. „Aufklärung ist eine der wichtigsten Aufgaben, wenn es um die Energiewende geht“, betont Oetken. Denn nur wenn Menschen verstehen, welche Schritte notwendig sind und welchen Beitrag sie leisten können, entsteht aus Zustimmung auch Beteiligung. „Das Thema muss einfach zum neuen Normal werden.“
Die Statista-Umfrage zeigt: Die Bereitschaft für Klimaschutz ist weiterhin vorhanden. Entscheidend ist nun, diese Haltung in langfristiges Handeln zu übersetzen. Auch EWE versteht Klimaschutz als Verantwortung. Das Unternehmen hat sich ambitionierte Klimaziele für das Jahr 2035 gesetzt und möchte Kundinnen und Kunden sowie die Region auf dem Weg der Dekarbonisierung begleiten. Dabei geht es nicht nur um einzelne Maßnahmen, sondern um nachhaltige Lösungen für Energie, Infrastruktur und das direkte Lebensumfeld.