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    Energiewende im Berufsalltag: Wie Nachhaltigkeit bei EWE strategisch umgesetzt wird

    Für Energieunternehmen wie EWE ist Nachhaltigkeit längst kein ergänzendes Thema mehr, sondern ein zentraler Bestandteil der langfristigen Unternehmensstrategie. Klimaschutz, regulatorische Anforderungen und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit müssen dabei zusammengedacht werden. Welche Rolle das Nachhaltigkeitsmanagement in der Energiewende spielt und wie Nachhaltigkeit im Unternehmensalltag konkret umgesetzt wird, darüber spricht Rieke Oetken im Interview mit der hallo nachbar-Redaktion.

    © Adobe Stock/InfiniteFlow
    Rieke Oetken Die Nachhaltigkeitsmanagerin
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    Rieke Oetken lebt und arbeitet in Oldenburg und fühlt sich in der Region sehr zuhause. In ihrer Freizeit sucht sie bewusst den Ausgleich zum projektgetriebenen Arbeitsalltag. Bewegung spielt dabei eine zentrale Rolle: Sie fährt Rennrad, geht ins Fitnessstudio und praktiziert Yoga. Zeit in der Natur hilft ihr, abzuschalten und neue Energie zu sammeln. Außerdem reist sie gern, um neue Eindrücke zu gewinnen und den eigenen Blickwinkel zu erweitern.

    Die Energiewende verändert nicht nur die Art, wie Energie erzeugt und verteilt wird. Sie greift tief in Unternehmensstrategien, Arbeitsweisen und Entscheidungsprozesse ein. In unserer Reihe Energiewende Berufe stellen wir Menschen vor, die diesen Wandel bei EWE aktiv mitgestalten. Nach Gesprächen mit Marcus Krücken und Michael Märtens richtet sich der Blick in diesem dritten Teil auf das Nachhaltigkeitsmanagement bei EWE und Rieke Oetken. 

    Wie kam Rieke Oetken zum Nachhaltigkeitsmanagement?

    Rieke Oetken arbeitet in der Konzernentwicklung der EWE AG und verantwortet dort gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen das Nachhaltigkeitsmanagement. Ihr Weg in dieses Aufgabenfeld war nicht von Anfang an vorgezeichnet. Nach einer Ausbildung im Bankwesen und einem Studium der Wirtschaftswissenschaften stellte sie früh fest, dass sie mit ihrer Arbeit einen gesellschaftlichen Beitrag leisten möchte.

    „Ich habe im Studium gemerkt, dass ich mit meiner Arbeit auch etwas bewirken will und Nachhaltigkeit war für mich immer ein Thema, das mich privat wie beruflich interessiert hat“, sagt Rieke Oetken. Der Einstieg bei EWE erfolgte zunächst als Werkstudentin, später folgte ein Trainee-Programm. Seit Ende 2022 ist sie fest im Nachhaltigkeitsmanagement tätig. Parallel dazu entwickelte sich auch das Team deutlich weiter. 

    Wie ist das Nachhaltigkeitsmanagement bei EWE aufgestellt?

    Das Team Nachhaltigkeitsmanagement deckt ein breites Themenspektrum ab. Es reicht von der Entwicklung einer ganzheitlichen Nachhaltigkeitsstrategie über die inhaltliche Zuarbeit für den Nachhaltigkeitsbericht bis hin zu Selbstauskünften für Nachhaltigkeitsratings. 

    „Wir schauen uns an, welche Nachhaltigkeitsthemen für EWE wirklich relevant sind, wo wir hinwollen und was wir tun müssen, um unsere Ziele zu erreichen“, erklärt sie. Dabei geht es nicht nur um Zieldefinitionen, sondern auch darum, Impulse zu setzen und Veränderungsprozesse anzustoßen.

    Wie sieht ein typischer Arbeitstag im Nachhaltigkeitsmanagement aus?

    Einen klassischen Arbeitsalltag gibt es für Rieke Oetken nicht. „Kein Tag ist wie der andere. Unsere Arbeit ist sehr projektgetrieben und dadurch extrem abwechslungsreich.“ Aktuell steht die Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie im Fokus. Dazu gehören Analysen des Marktes, der Wettbewerber und der regulatorischen Anforderungen.

    Ein großer Teil der Arbeit besteht aus Abstimmung und Zusammenarbeit. Besonders eng ist der Austausch zum Beispiel mit Controlling und Rechnungswesen, etwa bei der Kennzahlerhebung oder der Erstellung des Nachhaltigkeitsberichts, der Teil der offiziellen Konzernberichterstattung ist. Gemeinsam werden dabei unter anderem die jährliche CO₂-Bilanz nach Scope 1, 2 und 3 sowie weitere Kennzahlen erhoben, um Fortschritte sichtbar zu machen und Handlungsbedarf frühzeitig zu erkennen.

    Darüber hinaus arbeitet das Nachhaltigkeitsmanagement mit zahlreichen Fachverantwortlichen zusammen, die Themen wie Umweltmanagement, Arbeitssicherheit, Diversität oder Datenschutz betreuen.

    „Wir haben dafür ein Nachhaltigkeitsnetzwerk aufgebaut, um den Austausch zu strukturieren und Dialogräume zu schaffen“, so Oetken. Workshops, Veranstaltungen und regelmäßige Termine helfen dabei, Nachhaltigkeitsthemen in die Organisation zu tragen.

    Nachhaltigkeitsbericht von EWE

    Der Nachhaltigkeitsbericht von EWE zeigt jährlich, wie das Unternehmen Verantwortung in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung übernimmt. Er macht Ziele, Maßnahmen und zentrale Kennzahlen transparent und ordnet Nachhaltigkeit als festen Bestandteil der Unternehmenssteuerung ein.

    Mehr Informationen zum Nachhaltigkeitsbericht von EWE finden Sie hier.

    Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit für die strategische Energiewende?

    Das Nachhaltigkeitsmanagement versteht sich als strategischer Rahmengeber. Es bereitet Entscheidungen vor, definiert Leitplanken und bringt die Organisation zusammen. „Wir schaffen den Rahmen, zum Beispiel durch die Klimaziele. Die konkrete Umsetzung passiert dann in den Fachbereichen.“

    Ein zentrales Leuchtturmprojekt ist das Ziel der klimaneutralen EWE. Für Oetken ist klar, dass Klimaschutz für einen Energieversorger eine fundamentale Aufgabe ist. „Wir sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen, aber das Ziel ist klar. Wir wollen in der nächsten Dekade bezogen auf unsere eigenen Emissionen klimaneutral werden und auch unsere Kundinnen und Kunden sowie unsere Partner auf ihrem Dekarbonisierungsweg begleiten.“

    Wo liegen die größten Herausforderungen im Alltag?

    Grundsätzlich sei die Bereitschaft für Nachhaltigkeit im Unternehmen vorhanden. „Heute traut sich eigentlich niemand mehr zu sagen, dass ihn das Thema nicht interessiert.“ Schwieriger wird es, wenn es konkret wird.

    „In der Umsetzung kostet Nachhaltigkeit Geld, Dinge werden unbequem und müssen anders gemacht werden als früher“, sagt Oetken. Dann zeige sich, wie tragfähig die anfängliche Zustimmung wirklich ist. Widerstände seien dabei nicht ungewöhnlich.

    Wichtig sei es, langfristig zu argumentieren. „Wenn wir heute nichts tun, sind die Kosten am Ende viel höher“, so Oetken. Nachhaltigkeit und Klimaschutz seien daher keine freiwilligen Zusatzaufgaben, sondern wirtschaftlich notwendig. Dafür brauche es Ausdauer und Überzeugungsarbeit.

    Wie wird Nachhaltigkeit im Unternehmen verankert?

    Ein zentraler Ansatz ist Bewusstseinsbildung. Nachhaltigkeit soll sichtbar und erlebbar werden. Dazu setzt EWE auf Leuchtturmprojekte, interne Communities und regelmäßige Aktionen. Eine Klimacommunity organisiert Workshops und Themenwochen, um Mitarbeitende einzubinden.

    „Wir müssen alle 11.000 Mitarbeitenden erreichen und ihnen zeigen, welchen Beitrag sie leisten können“, betont Oetken. Nachhaltigkeit ist deshalb auch Teil der Willkommenstage für neue Mitarbeitende und von Thementagen für Auszubildende.

    Welche Technologien treiben die Energiewende bei EWE voran?

    Das Nachhaltigkeitsmanagement beschäftigt sich weniger mit einzelnen Technologien als mit dem strategischen Gesamtbild. Der Klimatransitionsplan beschreibt den Weg zur Klimaneutralität und benennt zentrale Bausteine. „So muss beispielsweise Erdgas im Energiesystem weniger werden. Dafür brauchen wir gute Substitutionen“, erklärt Oetken.

    Wärmepumpen, Photovoltaik, Wasserstoff und Biomethan spielen dabei ebenso eine Rolle wie die zunehmende Elektrifizierung vieler Bereiche und die Elektromobilität. Letztendlich führt die zunehmende Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit und Klimaschutz auch dazu, dass immer mehr innovative Lösungen zur Verfügung stehen, die am Ende auch bezahlbar sind. Das spiegelt sich auch im Produktportfolio und im Beratungsangebot von EWE für seine Kundinnen und Kunden wider. 

    Auch die Energieinfrastruktur ist ein entscheidender Hebel für die Energiewende. In den Strom- und Gasnetzen geht es dabei um Detailthemen wie Netzverluste oder den sogenannten Methanschlupf. Viele dieser Fragen hängen eng mit regulatorischen Rahmenbedingungen zusammen, an deren Weiterentwicklung EWE ebenfalls mitarbeitet.

     
    Klimatransitionsplan von EWE

    Der Klimatransitionsplan beschreibt den strategischen Weg von EWE hin zur Klimaneutralität. Er zeigt zentrale Handlungsfelder der Energiewende auf und bildet die Grundlage für den schrittweisen Umbau der Energieversorgung.

    Ausführliche Informationen sind im EWE-Klimatransitionsplan zusammengefasst. Diesen finden Sie hier.

    Wie sieht die Energieversorgung der Zukunft aus?

    Für eine klimaneutrale EWE zeichnet Rieke Oetken ein klares Bild. „Ich stelle mir uns Unternehmen als eines vor, mit nahezu vollständig reduzierten direkten Emissionen.“ Gleichzeitig sollen Lieferketten klimafreundlicher werden und Kundinnen und Kunden passende Lösungen erhalten.

    „Ob Wärmepumpe im Privathaushalt oder klimafreundliche Industrieprozesse, wir brauchen viel mehr solcher Lösungen.“ Voraussetzung seien verlässliche politische Rahmenbedingungen und die Bereitschaft aller Beteiligten, mitzuwirken.

    Langfristig wünscht sich Oetken, dass Nachhaltigkeit selbstverständlich wird. „In einer perfekten Welt braucht es uns als Nachhaltigkeitsmanagement irgendwann gar nicht mehr, weil Nachhaltigkeit bei allen Entscheidungen automatisch mitgedacht wird.“

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