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    6 Fragen, 6 Antworten: Welche Stromgeräte sind anmeldepflichtig?

    Volle Pulle Strom: Wer zu Hause stromintensive Geräte benutzt, muss diese auch anmelden. Das gilt etwa für Wärmepumpen oder Wallboxen, aber auch andere Geräte, die einen hohen Energiebedarf haben. Michael Kock und Markus Joachim Schirmer von EWE NETZ erklären im Interview, warum eine Anmeldung wichtig für Verbraucher und Netzbetreiber ist.

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    Michael Kock Michael Kock
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    Gemeinsam mit seinem Kollegen Markus Joachim Schirmer arbeitet Michael Kock bei EWE NETZ in Oldenburg. Netzfachleute sorgen dafür, dass die Stromnetze nicht überlastet sind und auch in Zukunft weiter ausgebaut werden.

    Welche Geräte sind anmeldepflichtig?

    Michael Kock: Im Wesentlichen sind das Wärmepumpen, Wallboxen, Ladesäulen, Klimageräte, aber auch große Durchlauferhitzer, die in manchen Häusern noch vorhanden sind. Darunter fällt etwa auch eine Sauna, die manche Menschen im Keller haben.

    Markus Joachim Schirmer: Man kann es sich ganz leicht so merken: Alle Geräte, die zum Erwärmen, Aufladen oder Kühlen da sind, müssen angemeldet werden – außer sie haben einen Stecker und laufen über die Steckdose im Haus. Ein Standard-Heizlüfter muss dementsprechend nicht angemeldet werden, auch ein Ladegerät für den Akku eines E-Bikes nicht.

    Warum muss ich überhaupt anmelden?

    Markus Joachim Schirmer: Wir haben eines der sichersten Stromnetze in Europa und das soll auch zukünftig so bleiben. Dafür müssen wir Strom und Spannung auch in gewissen Grenzen halten. Damit wir einen sicheren und stabilen Netzbetrieb gewährleisten können, müssen wir von den Anschlussnehmern wissen, was sie vor Ort betreiben. Über unsere Daten haben wir nur einen begrenzten Einblick. Es geht es vor allem um Geräte, die sehr viel Energie verbrauchen oder einen „hohen Gleichzeitigkeitsfaktor“ haben, wie wir es nennen.

    Michael Kock: Wenn an einem kalten Wintertag viele Menschen in einem Ort gleichzeitig ihre Wärmepumpe betreiben – wovon man ausgehen muss, weil die Menschen im Winter nun mal heizen – dann haben wir einen hohen Gleichzeitigkeitsfaktor. Eine Wärmepumpe beansprucht zwar weniger Leistung als ein Backofen, trotzdem brauchen wir Netzbetreiber eine Übersicht darüber, wie hoch der Verbrauch zu gewissen Zeiten ist, damit wir auch die Niederspannungsnetze sinnvoll auslegen können. Gleichzeitig lernen wir dadurch, an welchen Stellen wir den Netzausbau weiter vorantreiben müssen.

    Warum ist eine Anmeldung nicht nur für den Netzbetreiber, sondern auch für Verbraucher gut?

    Markus Joachim Schirmer: Viele Verbraucher bekommen somit einen transparenten Überblick über ihren Energieverbrauch. Wer bei EWE NETZ einen Hausanschluss bestellt, bekommt eine Freileistung von 30 KW. Davon wird knapp die Hälfte für den Haushalt berechnet. Wer noch eine Wärmepumpe und eine Wallbox zu Hause hat, kommt schnell über die 30 KW. Verbraucher sollten sich daher fragen: Reicht mein Hausanschluss für den Strombedarf, den ich habe?

    Die Wärmepumpe läuft, das E-Auto lädt an der Wallbox, gleichzeitig heizt der Backofen in der Küche: Gibt es so etwas, wie ein Live-Tracking für meinen Stromverbrauch?

    Michael Kock: Zum einen über den digitalen Stromzähler, moderne Messeinrichtung genannt, der seit einigen Jahren gegen analoge Zähler ausgetauscht wird. Auf dem Display kann ich erkennen, wie hoch mein aktueller Leistungsbedarf ist. Man kann sich auch Daten aus der Vergangenheit anzeigen lassen, wo man sieht, wo und wann es Leistungsspitzen gab. Mit einem intelligenten Messystem geht man noch einen Schritt weiter und kann sich die Verbrauchswerte online anzeigen lassen. In Zukunft wird es intelligente Strom-Management-Systeme geben, bei dem alle Geräte miteinander gekoppelt sind und sich entsprechend regulieren, um für mehr Effizienz zu sorgen.

    Wie und wo melde ich meine Geräte an?

    Michael Kock: Auf der Website www.ewe-netz.de gibt es den Bereich Kundenmarktplatz, wo man relevante Informationen eintragen muss. Welche Wärmepumpe wird eingebaut? Wie hoch ist die elektrische Leistung des Modells? Die Anmeldung ist kostenlos und dauert nicht länger als fünf Minuten und ist sehr einfach und übersichtlich. Oft wird die Anmeldung auch vom Installateur übernommen, das sollte man aber stets klären.

    Kann ich bereits bestehende, also Geräte, die bereits in Betrieb sind, auch noch anmelden?

    Markus Joachim Schirmer: Die Anmeldung sollte grundsätzlich vor Inbetriebnahme des Gerätes erfolgen. So können wir prüfen, ob sich die Leistung des Gerätes mit der Leistung des Hausanschlusses und unserem Netz verträgt. Eine nachträgliche Anmeldung ist aber auch kein Problem. Wichtig ist, dass überhaupt eine Anmeldung erfolgt. Besser spät als nie.

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