hallo nachbar Navigation
Suche
    zurück zur vorherigen Seite

    Energieversorgung in Brandenburg: Wie regionale Lösungen das System stärken

    Fernwärme in Erkner, Biogas-Perspektiven in Beeskow, Ladeinfrastruktur für den Alltag und Wasserstoff am Standort Rüdersdorf: In Brandenburg zeigt sich, wie vielfältig die Energiewende ist. Die Energiewende entsteht nicht durch eine einzelne Lösung. Entscheidend ist, wie regionale Bausteine zusammenspielen und zur vorhandenen Infrastruktur vor Ort passen.

    © 4iMEDIA/ChatGPT

    Ein warmes Zuhause im Winter. Licht am frühen Morgen. Das E-Auto, das auf dem Weg zur Arbeit geladen werden kann. Strom für Betriebe, Schulen, Arztpraxen und Vereine. Energie ist Teil unseres Alltags und das oft ganz selbstverständlich. Gleichzeitig verändert sich gerade vieles: Wie wir heizen, wie wir unterwegs sind, wie Strom erzeugt, gespeichert und genutzt wird.

    In Brandenburg wird diese Veränderung an vielen Orten sichtbar. In Erkner ist ein bestehendes Fernwärmenetz klimafreundlicher geworden und weitere folgen. In Beeskow eröffnen Biogas-Perspektiven neue Möglichkeiten für regionale Energie. Ladepunkte entstehen dort, wo Menschen im Alltag unterwegs sind. Windenergieprojekte nutzen die Flächen der Region. Und am Standort Rüdersdorf zeigt sich, welche Rolle Wasserstoff künftig für Speicherung und Industrie spielen könnte.

    All diese Beispiele haben eines gemeinsam: Sie zeigen, dass die Energiewende nicht aus einer einzigen Lösung besteht. Ein widerstandsfähiges Energiesystem entsteht, wenn Wärme, Strom, Mobilität, grüne Gase, Speicher und Netze zusammenspielen. Und dann, wenn Lösungen zu den Menschen, Kommunen und Unternehmen vor Ort passen.

    Was bedeutet resiliente Energieversorgung?

    Resilienz bedeute grundsätzlich, dass ein System auch dann handlungsfähig bleibt, wenn sich Bedingungen verändern. Für die Energieversorgung heißt das zum Beispiel, dass Strom und Wärme verlässlich verfügbar bleiben, auch wenn Erzeugung, Verbrauch, Preise oder Wetter schwanken.

    „Der Ausbau der erneuerbaren Energien bleibt die Grundlage. Doch erst wenn Netze, Speicher, flexible Verbraucher und neue Energieträger zusammenspielen, wird daraus ein stabiles und bezahlbares Energiesystem“, Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender der EWE AG, in seinem Interview zur Stabilität der Energieversorgung.

    Wind- und Solarstrom werden nicht immer genau dann erzeugt, wenn Energie gebraucht wird. An manchen Tagen steht viel erneuerbarer Strom zur Verfügung, an anderen deutlich weniger oder im schlimmsten Fall sogar gar keiner. Gleichzeitig steigt der Strombedarf durch Wärmepumpen, E-Autos, Speicher, neue Technologien und industrielle Anwendungen. Deshalb muss das Energiesystem Erzeugung, Verbrauch und Speicherung immer besser aufeinander abstimmen.

    Kurz erklärt: Was macht ein Energiesystem widerstandsfähig?

    Ein resilientes Energiesystem setzt nicht auf eine einzige Lösung. Es verbindet verschiedene Bausteine miteinander:

    • erneuerbare Energien
    • leistungsfähige Infrastruktur
    • Speicher und flexible Verbraucher
    • Wärmelösungen vor Ort
    • digitale Steuerung
    • Beratung für Haushalte, Kommunen und Unternehmen

    So entstehen mehr Möglichkeiten, auf Schwankungen, Engpässe oder neue Anforderungen zu reagieren. Erfahren Sie, was Stabilität im Stromnetz tatsächlich bedeutet.

    Warum nicht eine Lösung für alle passt

    Gerade Brandenburg zeigt, warum regionale Unterschiede wichtig sind. In einer Kommune kann ein Wärmenetz sinnvoll sein. In einem anderen Gebiet ist vielleicht die Wärmepumpe die bessere Lösung. An manchen Standorten kann Biogas in bestehende Infrastruktur eingebunden werden, andernorts spielt Ladeinfrastruktur eine größere Rolle. Und bei Wasserstoff geht es vor allem um langfristige Speicher- und Industrieperspektiven.

    Die zentrale Frage lautet daher nicht: Welche Technologie ist die beste? Sondern: Welche Lösung passt zur vorhandenen Infrastruktur, zu den Kosten, zur Nachfrage und zum Bedarf vor Ort?

    Nicht jede Lösung passt überall. Entscheidend ist, was zur Region, zur vorhandenen Infrastruktur und zum Bedarf vor Ort passt.

    Wärmewende in Erkner: Schritt für Schritt klimafreundlicher

    Die Wärmewende ist ein besonders greifbarer Teil der Energiewende. Denn sie betrifft direkt die Frage, wie Wohnungen, Häuser, öffentliche Gebäude oder Betriebe künftig beheizt werden. In Brandenburg zeigt Erkner, wie bestehende Infrastruktur Schritt für Schritt klimafreundlicher werden kann.

    Dort hat EWE ein Fernwärmenetz umgebaut. Die Wärme wird inzwischen mit zwei Großwärmepumpen und einem Biomethan-Blockheizkraftwerk erzeugt. Dadurch liegt der Anteil erneuerbarer Energien bei über 50 Prozent. Die Umstellung in Erkner zeigt: Auch durch die Weiterentwicklung bestehender Wärmenetze lässt sich der Anteil erneuerbarer Energien an der Wärmeerzeugung erhöhen.

    Video starten
    Grüne Wärme fürs Quartier

    Fernwärme ist jedoch nicht automatisch überall die beste Lösung. Sie ist vor allem dort sinnvoll, wo genügend Abnehmerinnen und Abnehmer vorhanden sind und sie gegenüber Einzellösungen wirtschaftlich überzeugen kann. Auch für Orte wie Seelow, Fürstenwalde und Eberswalde können sich daraus Perspektiven ergeben. Entscheidend bleibt, welche Lösung zum jeweiligen Gebiet passt.

    Biogas: Regionale Energie klug bündeln

    Auch Biogas kann einen Beitrag zu einem widerstandsfähigeren Energiesystem leisten. Es entsteht regional, kann gespeichert und als Biomethan ins bestehende Gasnetz eingespeist werden. Damit kann es dort interessant sein, wo eine direkte Elektrifizierung schwierig oder wirtschaftlich nicht sinnvoll ist.

    Wichtig ist aber auch hier der Blick auf das Gesamtsystem. Kleinere Anlagen einzeln ans Gasnetz anzuschließen, kann sehr teuer werden. Sinnvoller können sogenannte Biogas-Cluster sein. Dabei werden mehrere kleinere Anlagen um größere Anlagen gebündelt. Das Biogas wird zentral aufbereitet und an einem Punkt ins Gasnetz eingespeist. Größere Anlagen können in dem Fall wirtschaftlicher sein, weil die Anschlusskosten im Verhältnis zur erzeugten Energiemenge günstiger ausfallen.

    Ein Beispiel ist Beeskow. Dort ist eine Biogasanlage mit einer Leistung von 60 Megawatt geplant. Aktuell läuft hier ein Netzanschlussbegehren mit zugehöriger Prüfung, in das EWE NETZ als Netzbetreiber involviert, ist: Es wird geprüft, ob und wie aufbereitetes Biogas in die bestehende Gasinfrastruktur eingespeist werden kann. Entscheidend bleibt, dass Erzeugung, Netzanschluss, Wirtschaftlichkeit und Nachfrage sinnvoll zusammenpassen.

    Wie die Einspeisung in eine Biogasanlage funktioniert, zeigt unsere Video-Reihe „Klima. Konkret. Vor Ort.“

    Mobilität: Warum Ladeinfrastruktur zur Resilienz gehört

    Die Energiewende verändert nicht nur Strom und Wärme, sondern auch Mobilität. Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit der Frage, wie sie künftig unterwegs laden können. Gerade in Flächenregionen wie Brandenburg entscheidet eine verlässliche Ladeinfrastruktur mit darüber, ob Elektromobilität praktikabel wird. Ladepunkte an alltagsnahen Standorten schaffen Sicherheit für Pendlerinnen und Pendler, Familien, Unternehmen und kommunale Fuhrparks.

    EWE Go baut die Ladeinfrastruktur gezielt weiter aus. In Brandenburg sind im Rahmen der Kooperation mit McDonald’s bereits an rund 30 Restaurant-Standorten Ladepunkte in Betrieb; weitere sind beispielsweise in Wittstock, Elsterwerda und Eberswalde geplant. Damit wird Elektromobilität nicht nur technisch möglich, sondern im Alltag besser planbar.

    Windenergie: Viel Potenzial, aber nicht ohne Infrastruktur

    Brandenburg verfügt über Flächen für erneuerbare Energien. Windenergieprojekte, etwa von Alterric – einem Joint Venture der Aloys-Wobben-Stiftung und EWE –, zeigen, dass die Region eigene Potenziale in das Energiesystem einbringen kann. Doch auch hier gilt: Windenergie allein reicht nicht.

    Damit erneuerbarer Strom möglichst gut genutzt werden kann, braucht es passende Netze, Speicherperspektiven, digitale Steuerung und Akzeptanz vor Ort. Sonst kann es passieren, dass Strom zwar erzeugt wird, aber nicht immer dort ankommt oder genutzt werden kann, wo er gebraucht wird.

    Wasserstoff: Perspektive für Speicher und Industrie

    Grüner Wasserstoff kann künftig dort wichtig werden, wo Strom nicht direkt genutzt werden kann, etwa in Teilen der Industrie oder bei Speicheraufgaben. Für private Haushalte steht Wasserstoff nicht im Mittelpunkt. Dort sind Wärmepumpen, Wärmenetze, Effizienzmaßnahmen, Photovoltaik und Speicher häufig näherliegende Lösungen.

    In Brandenburg richtet sich der Blick derzeit besonders auf Rüdersdorf. Am dortigen Gasspeicher-Standort wurde bereits eine kleine Wasserstoff-Kaverne gebaut und getestet. Der Standort gilt unter anderem wegen seiner Nähe zu Berlin als interessant. Eine Investitionsentscheidung für den weiteren Ausbau steht jedoch noch aus. Dafür braucht es wirtschaftliche Rahmenbedingungen, mögliche Einspeiser und Abnehmer sowie verlässliche gesetzliche Grundlagen für die Wasserstoffspeicherung.

    EWE-CEO Stefan Dohler

    Wasserstoffprojekte brauchen nicht nur geeignete Standorte, sondern auch Einspeiser, Abnehmer und verlässliche gesetzliche Grundlagen. Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender der EWE AG

    Resilienz entsteht vor Ort

    In Brandenburg zeigt sich deutlich, wie vielseitig die Energiewende ist: Energiezukunft entsteht dort, wo Menschen leben, arbeiten und unterwegs sind. Wenn Wärmenetze klimafreundlicher werden, Biogas regional genutzt wird, Ladepunkte den Alltag erleichtern oder Wasserstoff neue Perspektiven für Speicherung und Industrie eröffnet, dann wird die Energiewende greifbar.

    Versorgungssicherheit ist kein Gegensatz zur Energiewende. Sie ist eine Voraussetzung dafür, dass die Energiewende dauerhaft akzeptiert wird. Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender der EWE AG

    So wird Resilienz mehr als ein technischer Begriff. Sie bedeutet Verlässlichkeit, Orientierung und die Chance, die eigene Region unabhängiger und zukunftsfähiger aufzustellen. Schritt für Schritt entsteht ein Energiesystem, das nicht nur auf Veränderungen reagiert, sondern den Menschen in Brandenburg Sicherheit gibt und neue Wege eröffnet.

    nach oben