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    EWE Go: „Elektroautos für alle Preisklassen werden kommen“

    Was viele nicht wissen: Bereits jetzt gibt es in Deutschland mehr Ladepunkte als Tankstellen. Ilker Akkaya, Geschäftsführer von EWE Go, spricht im Interview über die Entwicklung von Entwicklung von Elektromobilität im Jahr 2024 – und warum schon bald günstigere E-Autos auf den Markt kommen werden.

    Illustration © Shutterstock

    Die Deutschen lieben ihr Auto: Warum bleiben E-Autos bislang nur ein Flirt?

    Ilker Akkaya: Das ist eine Frage der Perspektive. Wir sehen, dass es in den vergangenen zwei Jahren einen großen Anstieg an Neuzulassungen gab. Ein E-Auto, das Model Y von Tesla, war 2023 mit knapp 1,3 Millionen Exemplaren das meistverkaufte Auto weltweit. Und auch in Europa lag das Auto an der Spitze der Neuzulassungen. Und damit meine ich den Gesamtmarkt, der auch Verbrenner miteinschließt. Es stimmt allerdings, dass die deutschen Autobauer noch nicht die vollelektrische Phase begonnen haben. Diese wird aber früher oder später eintreten. Wichtig ist, dass wir auch massenfähige Autos haben, die auch untere Preisklassen bedienen, und da wird in den kommenden zwei Jahren eine Menge passieren. Ich bin zuversichtlich, dass aus dem Flirt eine große Liebe werden kann.

    Man hat den Eindruck, dass deutsche Autobauer noch sehr am Geschäftsmodell des Verbrennermotors festhalten, während Länder wie China, die USA oder Norwegen schon viel weiter sind. Stimmt das?

    Ilker Akkaya: Alle deutschen Autobauer haben sich ganz klar zum Thema Elektromobilität bekannt und werden vollelektrische Modelle auf den Markt bringen. Klassische Verbrennermodelle haben aktuell ihren letzten Lebenszyklus, daher ist es nur eine Frage der Zeit. Man muss fairerweise sagen, dass wir von sehr großen Konzernen sprechen, die mitten in der Transformation stehen und nicht von heute auf morgen ihre Geschäftsmodelle über Bord werfen, die sich seit Jahrzehnten bewährt haben. Die Umstellung ist gewollt, wird aber nicht überstürzt, sondern sukzessive umgesetzt.

    Um Elektroautos ranken sich auch 2024 immer noch viele Mythen: Zu teuer, zu wenig Reichweite, zu lange Ladezeiten. Hat Elektromobilität ein Imageproblem?

    Ilker Akkaya: Nein. Ich glaube, Deutschland hat aus seiner wirtschaftlichen Historie eine besondere Beziehung zu Automobilen. Neue Mitspieler wie Tesla werden hierzulande anders beäugt und bewertet als in anderen Ländern. Hätte VW statt Tesla das Model Y auf den Markt gebracht, hätte das für eine ganz andere Wahrnehmung gesorgt. In Deutschland konzentriert man sich stärker auf deutsche Hersteller. Wie gesagt: Die Welle für alle Preisklassen wird kommen.

    Ganz einfach gefragt: Wie lauten Ihre persönlichen Argumente für ein Elektroauto? 

    Ilker Akkaya: Umfragen zeigen, dass sich kaum ein E-Auto-Fahrer vorstellen kann, zu einem Verbrennermodell zurückzukehren. E-Autos sind wirtschaftlicher, es gibt nach der Anschaffung geringere Betriebskosten, auch die Lebensdauer von Batterien wird immer besser. Aktuelle Tests zeigen, dass es nach 25.000 bis 30.000 Kilometern zu einem Batterieverlust von nur ein bis zwei Prozent kommt. Das heißt, dass man nach 100.000 Kilometern immer noch auf über 90 Prozent der Batteriekapazität zurückgreifen kann.

    Mit welchen Mythen werden Sie im Privatleben am meisten konfrontiert? 

    Ilker Akkaya: Die Standardfragen drehen sich stets um die Themen „Reichweite“ und „Preis“. Die Fakten zeigen, dass man mittlerweile mit jedem E-Auto locker drei Stunden am Stück fahren kann, bevor man laden muss. Meiner Meinung nach sollte man ohnehin nach drei Stunden Fahrt eine Pause einlegen, um sich etwas zu entspannen. Wir wissen, dass herkömmliches Tanken im Schnitt etwa sieben bis zehn Minuten dauert. In der gleichen Zeit kann man mittlerweile E-Autos aufladen, so dass sie etwa 200 Kilometer weiterfahren können. Wenn man den Akku komplett laden möchte, dauert es knapp 15 bis 25 Minuten länger. Das ist für mich kein großer Unterschied. Zur Preisthematik beobachten wir zudem eine interessante Entwicklung: Seit Wegfall der staatlichen Subventionierung für den Kauf von E-Autos zum 1.1.2024 haben viele Hersteller reagiert und bieten ihre Autos günstiger an. Der Markt reguliert sich also von allein, es gibt teilweise Rabatte in fünfstelliger Höhe.

    Das heißt, die Elektromobilitätsbranche ist gar nicht auf Subventionen aus der Politik angewiesen?

    Ilker Akkaya: Zumindest nicht im Pkw-Bereich. Beim Ausbau der Ladeinfrastruktur, vor allem in ländlichen Gebieten, sind wir nach wie vor auf staatliche Hilfe angewiesen. Die aktuelle Bundesregierung bekennt sich klar zum Thema „Elektromobilität“, das zeigt etwa auch die Ausschreibung für das bundesweite Deutschlandnetz.

    EWE Go hat diese Ausschreibung gewonnen und wird gemeinsam mit neun weiteren deutschen Netzbetreibern die Ladeinfrastruktur weiter ausbauen.

    Ilker Akkaya: Die Bundesregierung hält an ihrem ursprünglichen Ziel fest: Bis 2030 sollen 15 Millionen E-Autos auf deutschen Straßen unterwegs sein. Der Aufwand dafür ist beachtlich, wir reden hier von einer Investitionssumme von knapp einer Milliarde Euro. Gemeinsam mit der angesprochenen Entwicklung auf dem Markt ist das ein sehr großer Fortschritt. In zwei bis drei Jahren wird es so sein, dass sich die Infrastruktur so verdichtet, dass man alle zehn bis 15 Kilometer in Deutschland eine Lademöglichkeit haben wird.

    Welche Rolle wird EWE Go dabei spielen?

    Ilker Akkaya: Wir stellen die Ladeinfrastruktur zur Verfügung und möchten für ein positives Ladeerlebnis sorgen. Mit unserer App kann man sein Auto deutschlandweit an 100.000 und europaweit an 400.000 Ladepunkten koppeln. Das Gefühl der Reichweitenangst wird somit völlig verschwinden. Wir achten auch darauf, dass wir Standortpartner wie McDonald’s, Cafés, Supermärkte oder Fachmarktzentren haben, damit man während des Ladens die Zeit sinnvoll nutzen kann.

    Wie kann man sich die Zusammenarbeit mit den anderen Ladenetzbetreibern vorstellen? Gibt es die überhaupt? Oder baut jeder sein eigenes Netz?

    Ilker Akkaya: Mit unserer App kann man auch an Ladepunkten anderer Ladenetzbetreiber laden. Für uns ist das keine Verteilung von Märkten, sondern ein großes Miteinander. Es ist wichtig, dass wir gemeinsam mit unseren Wettbewerbern eine Infrastruktur aufbauen, die so überzeugend ist, dass man alle Autofahrer für Elektromobilität begeistern kann.

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