Während es im Beitrag Energiewende im Berufsalltag: Wie Nachhaltigkeitsmanagement bei EWE umgesetzt wird um übergeordnete Strategien, Zielbilder und Steuerung geht, richtet sich der Blick hier stärker auf die operative Umsetzung. Es geht um Gebäude, Technik, Nutzungsverhalten und die Frage, wie sich Klimaziele im Alltag eines großen Unternehmens konkret verankern lassen.
Vom Erneuerbaren-Spezialisten ins Immobilienmanagement
Jan-Bernds berufliche Wurzeln liegen im Bereich der erneuerbaren Energien. Bereits früh war er am Aufbau von Biogas- und Einspeiseanlagen beteiligt. 2017 wechselte er ins damalige Gebäudemanagement, heute die Abteilung Workplace & Mobility. Für ihn ein konsequenter Schritt. „Ich war von Anfang an intrinsisch motiviert, mich mit Energieeinsparung und Nachhaltigkeit zu beschäftigen“, sagt Jan-Bernd Meyer.
Heute umfasst sein Aufgabenfeld nicht nur technische Fragen, sondern auch Planung, Datenauswertung und Abstimmung mit vielen Beteiligten. Klimaschutz im Gebäudebereich bedeutet für den Immobilien- und Energiemanager vor allem eines: kontinuierliche Arbeit an vielen Stellschrauben gleichzeitig.
Energieverbrauch systematisch steuern
Ein zentraler Bestandteil der Arbeit ist die systematische Erfassung und Auswertung von Energiedaten. Grundlage dafür bildet ein zertifiziertes Energiemanagement nach ISO 50001. Wichtige Kennzahlen sind unter anderem der Energieverbrauch pro Quadratmeter sowie dessen Entwicklung über mehrere Jahre hinweg. Sie machen Fortschritte messbar und helfen, Einsparpotenziale gezielt zu identifizieren.
Besonders in den vergangenen Jahren hat sich der Fokus deutlich verschoben. Steigende Energiepreise und externe Krisen haben den Handlungsdruck erhöht. Gleichzeitig beschleunigten sie den Umstieg auf neue Technologien. Ein zentrales Thema dabei sind Wärmepumpen. Wo immer es technisch möglich ist, ersetzt EWE heute alte Heizsysteme durch moderne Wärmepumpenlösungen. Sie benötigen deutlich weniger Energie, lassen sich mit Grünstrom betreiben und können teilweise Gebäude im Sommer zusätzlich kühlen.
Technik, die im Alltag überzeugt
Gerade in Werkstätten und Meistereien wird dieser Mehrwert direkt spürbar. Wer nach einem Arbeitstag bei hohen Außentemperaturen in ein angenehm temperiertes Gebäude zurückkehrt, erlebt die Energiewende ganz praktisch. Solche Erfahrungen helfen dabei, Akzeptanz zu schaffen und neue Technik nicht als abstraktes Klimaschutzinstrument wahrzunehmen, sondern als konkrete Verbesserung im Arbeitsalltag.
Neben den Gebäuden gehört auch die Mobilität zum Aufgabenfeld. Rund 2.000 Fahrzeuge umfasst die Flotte die von Workplace & Mobility betreut wird. Ein sehr großer Teil wurde inzwischen auf Elektromobilität umgestellt. Auch hier zeigt sich, dass technische Lösungen allein nicht ausreichen. Neue Antriebskonzepte, Ladeinfrastruktur und veränderte Nutzungsgewohnheiten erfordern Kommunikation und Überzeugungsarbeit.
Energiewende sichtbar nach innen und außen
Dass EWE die Energiewende nicht nur strategisch plant, sondern konkret umsetzt, zeigt sich auch im öffentlichen Raum. Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen oder E-Fahrzeuge sind an vielen Standorten sichtbar. Ähnlich wie im Beitrag Energiewende im Berufsalltag: Wie Energieberatung private Haushalte unterstützt geht es auch hier darum, Veränderung greifbar zu machen. Während dort private Haushalte im Fokus stehen, zeigt das Immobilienmanagement, wie Klimaschutz innerhalb des Unternehmens umgesetzt wird.
Der Wesertower ist eines der größten Bürogebäude im EWE-Konzern und ein anschauliches Beispiel für klimafreundliche Wärmeversorgung im Gebäudebestand. Das markante Hochhaus in Bremen wird mit Fernwärme versorgt, die aus einem Müllheizkraftwerk stammt. Die dabei entstehende Abwärme wird genutzt, um das Gebäude zuverlässig und effizient zu beheizen.
Durch diese Form der Wärmeversorgung weist der Wesertower bilanziell einen CO₂-Wert von null auf. Die Nutzung von Abwärme vermeidet den Einsatz zusätzlicher fossiler Brennstoffe und trägt dazu bei, vorhandene Energie sinnvoll weiterzuverwenden. Für ein großes Bürogebäude mit hohem Wärmebedarf ist das ein wichtiger Beitrag zur Reduzierung von Emissionen.
Der Wesertower zeigt zudem, dass klimafreundliche Lösungen nicht nur bei Neubauten möglich sind. Auch bestehende Gebäude können durch den Anschluss an Fernwärmenetze einen messbaren Beitrag zur Energiewende leisten, ohne Abstriche bei Versorgungssicherheit oder Komfort zu machen.
Überzeugungsarbeit als Teil des Berufsalltags
Neue Technik, gemeinsame Arbeitsplatzkonzepte oder intelligente Gebäudesteuerung funktionieren nur, wenn sie von den Mitarbeitenden akzeptiert werden. Überzeugungsarbeit gehört deshalb fest zum Arbeitsalltag. Unterstützt wird das durch verpflichtende E-Learnings, die alle Mitarbeitenden regelmäßig absolvieren. Ziel ist es, ein gemeinsames Verständnis für Energieverbrauch und Einsparpotenziale zu schaffen, ohne den Arbeitskomfort aus dem Blick zu verlieren.
Blick nach vorn: Klimaneutralität als kontinuierliche Aufgabe
In der nächsten Dekade will EWE klimaneutral sein. Für das Immobilienmanagement bedeutet dies langfristige Planung und kontinuierliche Weiterentwicklung. Nicht jedes Gebäude lässt sich vollständig umrüsten, etwa bei Denkmalschutz oder besonderen baulichen Anforderungen. Neubauten und umfassende Sanierungen werden jedoch konsequent auf klimafreundliche Technik ausgerichtet.
Für Jan-Bernd steht fest: Die Energiewende im Gebäudebereich lebt von Pragmatismus, technischer Offenheit und Ausdauer. „Die Zeit bis zur Klimaneutralität ist kürzer, als viele denken“, sagt er. „Deshalb dürfen wir jetzt nicht nachlassen.“