Grundlage sind die Beschaffungskosten und Netzentgelte
Den größten Teil des Gaspreises machen die Beschaffungskosten für das Gas selbst aus. Energieversorger kaufen Gas in der Regel an der Börse oder über bilaterale Verträge ein – oft kombiniert im Rahmen eines strategischen Portfoliomanagements. Die Preise an den Weltmärkten können stark schwanken, zum Beispiel bei politischen Krisen, Handelsstreitigkeiten oder einer überraschend hohen Nachfrage. Hinzu kommt, dass auch inländische Faktoren, wie kalte Winter oder ein erhöhter Bedarf der Industrie, den Endpreis in die Höhe treiben können.
Ein weiterer großer Faktor sind die Netzentgelte. Bevor das Gas in unserem Zuhause ankommt, muss es weite Strecken über Pipelines und regionale Verteilsysteme zurücklegen. Betrieb, Wartung und Ausbau dieser Netze verursachen Kosten, die in Form der Netzentgelte weitergegeben werden. Die Bundesnetzagentur wacht darüber, dass die Preisgestaltung hier transparent und fair abläuft.
So setzt sich der Gaspreis typischerweise zusammen:
- Steuern, Abgaben, Umlagen: 31,60 %
- Beschaffung & Vertrieb: 52,86 %
- Netzkosten: 15,54 %
- Steuern, Abgaben, Umlagen: 31,77 %
- Beschaffung & Vertrieb: 53,53 %
- Netzkosten: 14,70 %
Preistreiber Steuern und Abgaben
Neben Beschaffung und Transportkosten spielen in Deutschland auch Steuern und Abgaben eine erhebliche Rolle. Zu nennen sind hier die Energiesteuer (früher Mineralölsteuer), die Mehrwertsteuer und seit 2021 eine CO₂-Bepreisung auf fossile Brennstoffe wie Erdgas.
Ab 2026 wechselt die CO₂-Bepreisung für Erdgas im nationalen Emissionshandel von einem festen staatlichen Preis in eine marktorientierte Phase. Statt eines vorgegebenen Betrags müssen Energieunternehmen die benötigten CO₂-Zertifikate künftig über Versteigerungen erwerben. Der Staat gibt dabei nur noch einen Rahmen vor, innerhalb dessen sich der Preis bilden darf.
Für das Jahr 2026 gilt ein Preiskorridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne CO₂. Innerhalb dieser Spanne bestimmen Angebot und Nachfrage den tatsächlichen Preis. Faktoren wie ein kalter Winter, eine höhere Gasnachfrage oder wirtschaftliche Entwicklungen können den CO₂-Preis daher stärker beeinflussen als in den Jahren zuvor.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das, dass der CO₂-Kostenanteil im Gaspreis nicht mehr konstant ist, sondern beweglicher wird. Während der Wegfall der Gasspeicherumlage entlastend wirkt, kann der CO₂-Anteil künftig stärker schwanken und auch zu Preiserhöhungen führen, unabhängig von den reinen Beschaffungskosten für Gas. Zusätzliche Informationen bietet das Umweltbundesamt.
Diese staatlichen Abgaben sollen einerseits Einnahmen für öffentliche Aufgaben generieren, gleichzeitig aber auch Anreize schaffen, den Ausstoß klimaschädlicher Emissionen zu reduzieren. Änderungen der Steuergesetzgebung oder eine Anhebung des CO₂-Preises haben deshalb direkte Auswirkungen auf den Endkundenpreis.
Bis zum Jahresende 2025 kam die sogenannte Gasspeicherumlage hinzu, die seit Oktober 2022 erhoben wurde. Sie sollte die Kosten decken, die durch die gesetzlich vorgeschriebene Befüllung der deutschen Gasspeicher entstehen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Auch diese Umlage wurde auf den Gaspreis umgelegt und verteuerte somit zusätzlich die Endabrechnung für Verbraucherinnen und Verbraucher.
Seit dem 1. Januar 2026 wird die Gasspeicherumlage nicht mehr über den Gaspreis erhoben. Die Kosten für die gesetzlich vorgeschriebene Befüllung der Gasspeicher übernimmt nun der Bundeshaushalt. Damit entfällt ein Preisbestandteil, der zuvor direkt auf jede verbrauchte Kilowattstunde Erdgas aufgeschlagen wurde. Ziel der Änderung ist es, die Gaspreise transparenter zu machen und Verbraucherinnen und Verbraucher spürbar zu entlasten, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden.
Für Kundinnen und Kunden bedeutet das konkret: Der Gaspreis sinkt rechnerisch, weil eine Umlage wegfällt, die bislang auf jede verbrauchte Kilowattstunde erhoben wurde. Gleichzeitig soll staatlich überwacht werden, dass Energieversorger diese Entlastung auch tatsächlich an die Endkundinnen und Endkunden weitergeben. Die Maßnahme wirkt damit preis-dämpfend, auch wenn andere Faktoren wie Beschaffungskosten oder die CO₂-Bepreisung weiterhin Einfluss auf die Höhe der Gasrechnung haben.
Globale Einflüsse auf den Gaspreis
Der globale Charakter des Gasmarkts führt dazu, dass politische Umstände, Konflikte oder auch Naturkatastrophen die Preise beeinflussen. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und die darauffolgende Energiekrise Anfang der 2020er Jahre haben uns allen vor Augen geführt, wie schnell sich das Angebot verknappen und die Nachfrage gleichzeitig steigen kann.
Auch die wirtschaftliche Entwicklung in aufstrebenden Ländern kann zu einem weltweit erhöhten Bedarf an Gas führen, was den Preis in die Höhe treibt. Umgekehrt entstehen in Jahren mit milden Wintern oder schwacher Konjunktur durchaus Gelegenheiten für Preisrückgänge.
Einsparpotenzial: Das eigene Verbrauchsverhalten
Wie hoch die Gasrechnung am Ende ausfällt, hängt aber nicht nur von den Kostenstrukturen ab, sondern auch vom Verbrauchsverhalten. Viele Menschen sind überrascht, wieviel Energie sich einsparen lässt, wenn man beispielsweise die Heizung ein Grad herunterdreht (6 Prozent) oder nur kurz, aber dafür intensiv lüftet, statt ständig ein Fenster gekippt zu lassen. Darüber hinaus bringt eine modernisierte Heizungsanlage oder ein Wechsel zu einer klimafreundlicheren Wärmepumpe deutliche Effizienzgewinne. Eine gute Dämmung und isolierte Fenster sorgen ebenso dafür, dass die Wärme im Haus bleibt und die Heizkosten sinken.
Ein praktischer Zusatz seit 2026: Wenn Preisbestandteile wie die CO₂-Kosten stärker schwanken können, wird es noch hilfreicher, den eigenen Verbrauch regelmäßig zu prüfen, etwa über monatliche Zählerstände. So lassen sich Veränderungen in der Abrechnung besser nachvollziehen, unabhängig davon, ob sie aus Verbrauch, Beschaffung oder Abgaben entstehen.
Auf hallonachbar.de finden Sie hilfreiche Tipps zu Heizmethoden, Förderprogrammen und zum richtigen Lüftungs- und Heizverhalten. Es kann sehr aufschlussreich sein, regelmäßig die eigenen Verbrauchswerte zu kontrollieren und bei Bedarf die Heizung zu modernisieren und auf eine klimafreundlichere Lösung wie etwa eine Wärmepumpe umzusteigen.
Und was ist mit dem Strompreis?
Bei der Zusammensetzung von Strompreisen ähnelt die Struktur der von Gas: Auch beim Strom machen Beschaffung, Netzentgelte, Steuern und Abgaben den Löwenanteil aus. Genau wie beim Gas unterliegt auch der Strompreis regionalen und globalen Einflüssen. Ein Blick auf beide Energieträger lohnt sich, um die Gesamtzusammenhänge besser zu verstehen. Wir haben auch einen Blick auf den Strompreis geworfen.
Hier geht’s zum Beitrag über den Strompreis.